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Leserbrief

Vereinbarkeit – Chancengleichheit beginnt zu Hause

Petra Eichele, Infra-Geschäftsführerin, Vorstandsfrau des Frauennetzes Liechtenstein | 28. November 2017

Pflegearbeit

Betreuungs-und Pflegearbeit für Kinder und kranke Angehörige – die sogenannte «Care Arbeit» – übernehmen in unserer Gesellschaft grösstenteils Frauen. Diese unbezahlte Arbeit ist ein wichtiger Teil der insgesamt geleisteten Arbeit und sie prägt massgeblich die Qualität des gesellschaftlichen Zusammenlebens. «Care Arbeit» und Erwerbsarbeit sind voneinander abhängig: Ohne «Care Arbeit» ist eine bezahlte Erwerbsarbeit nicht möglich. Wer heute unbezahlte «Care Arbeit» leistet, nimmt beträchtliche Nachteile im Beruf und der sozialen Absicherung in Kauf. Und weil nach wie vor Frauen einen Grossteil dieser Arbeit leisten, sind sie es, die am häufigsten mit den nachteiligen Konsequenzen konfrontiert sind. Sie erzielen aufgrund von Teilzeitarbeit oder Erwerbsunterbrüchen im Alter eine viel tiefere Rente als Männer mit typischen Vollzeitberufskarrieren. Das von der VU eingereichte Postulat zur «Alters- und Risikovorsorge für nicht oder geringfügige erwerbstätige Elternteile» zeigt in die richtige Richtung, muss aber die pflegenden Angehörigen auch miteinbeziehen. Es geht darum, endlich bei der grössten Benachteiligung nicht- oder teilzeiterwerbstätiger Mütter und Angehöriger, nämlich ihrer fehlenden eigenständigen Altersvorsorge, anzusetzen. Erst wenn der politische Wille vorhanden ist, hier auch Geld einzusetzen, wird die Arbeit nicht- oder teilzeiterwerbstätiger Mütter und Angehöriger nicht nur verbal, sondern tatsächlich gewürdigt. Auch Männer wollen im Alltag zunehmend Zeit mit ihren Kindern verbringen, sich an der Unterstützung kranker Angehöriger oder betagter Eltern beteiligen. Sie stossen sich ebenfalls an den Hindernissen, «Care Arbeit» und Erwerbstätigkeit zu vereinbaren. Nicht nur die demografische Entwicklung, sondern auch die Forderung der jüngeren Generation verlangt nach Vereinbarkeit von Familie und Erwerb und nach dem Entgegenkommen der Wirtschaft. Verlangt nach Teilzeitarbeit auch für Männer, flexibleren Arbeitszeiten – kurz nach einer familienfreundlichen Lösung. Zwischen Erwerbs- und Privatleben ein Gleichgewicht zu finden, stellt eine besondere Herausforderung für Frauen und Männer dar. Die meisten Familien wollen Care- und Erwerbsarbeit vereinbaren. Nur wenigen gelingt jedoch eine zufriedenstellende Umsetzung. Wunsch und Realität klaffen oft auseinander. Die Gleichstellung von Männern und Frauen wird oft nur auf den Arbeitsmarkt bezogen. Sie muss jedoch in beiden Bereichen vorangetrieben werden. Erst wenn Frauen und Männer in gleichem Mass für Care- und Erwerbsarbeit verantwortlich sind, haben Frauen und Männer die Möglichkeit, im persönlichen wie gesellschaftlichen Umfeld weiterzukommen und sich weiterzuentwickeln.

Petra Eichele, Infra-Geschäftsführerin, Vorstandsfrau des Frauennetzes Liechtenstein

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