Leserbrief

Eschen-Nendeln das Emmenbrücke von Liechtenstein

Herbert WerleAm Irkales 7; 9490 Vaduz | 27. November 2017

Einbürgerung

Vor Jahren machte Emmenbrücke in der Schweiz Schlagzeilen, weil Einbürgerungsentscheide in Gemeindeversammlungen offensichtlich willkürlich zustande kamen. Personen mit jugoslawischen oder türkischen Namen hatten keine Chance und wurden abgelehnt. Gegen die Entscheide waren keine Rekurse möglich. Eine staatsrechtliche Beschwerde in einem Fall an das Bundesgericht wegen offensichtlicher Verletzung von Verfassungs- und Menschenrechten (Art. 4 der Schweizerischen Bundesverfassung) war erfolgreich. Nach diesem Entscheid des Bundesgerichts wurden die Einbürgerungsverfahren in den Gemeinden angepasst und finden nun nach rechtsstaatlich objektiven Kriterien und mit Rekursmöglichkeiten statt.
Die Geschichte der jungen Frau aus Bosnien-Herzogowina im «Volksblatt» vom Samstag, den 25. November – wahrscheinlich kein Einzelfall, bei einer Ablehung von 70 Prozent der zur Abstimmung kommenden Einbürgerungsgesuche in Eschen-Nendeln – ist beschämend und für einen Rechtsstaat höchst bedenklich, wenn nicht unwürdig. Es erinnert an die lange Diskriminierung der Frauen in Liechtenstein, deren Status sich erst in den letzten 30 Jahren änderte.
Liechtenstein sowie die Gemeinden täten gut daran, das Einbürgerungsprozedere zu objektivieren und nicht einem Verfahren letztinstanzlich auszusetzen, bei welchem objekitv nicht nachvollziehbare und nicht rekursfähige Zufallsentscheide zustande kommen können. Es ist dies eine schlechte Visitenkarte für Eschen-Nendeln, aber auch für Liechtenstein. Für das Bedienen von Vorurteilen sowie für das Begleichen von persönlichen offenen «Rechnungen» ist der Einbürgerungsentscheid nicht die richtige Plattform und für die Betroffenen desaströs.

Herbert Werle
Am Irkales 7; 9490 Vaduz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung