Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Vereinbarkeit – Ein Dauerbrenner und doch bewegt sich nichts

Claudia Heeb-Fleck,Vorstand Frauennetz | 21. November 2017

Familienpolitik

Die Familienstudie von 2007 hält fest, dass weniger das Geld als vielmehr die gesellschaftlichen und arbeitspolitischen Rahmenbedingungen der Auslöser für rückläufige Geburtenraten sind. Hier gelte es anzusetzen mit entsprechenden Massnahmen wie dem Ausbau der ausserhäuslichen Kinderbetreuung, mehr Teilzeitarbeitsplätzen und einer gesellschaftlichen Diskussion über die einengenden, traditionellen Rollenbilder (S. 67). Schon damals wurde festgestellt, dass «die aktuell geführte Debatte sich nach der Vereinbarkeit von Familie und Beruf für die Frau richtet, nicht aber für den Mann. So lange diese Tatsache in und von der Öffentlichkeit weiter getragen wird, bleiben die Chancen der Frauen am Arbeitsmarkt geringer. Desgleichen bleiben die Trennung zwischen (männlicher) Erwerbs- und (weiblicher) Familienarbeit sowie die familiäre Aufgabenteilung aufrecht. Denn einerseits zeigt sich eine hohe Zustimmung hinsichtlich der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, auf der anderen Seite wird Frauen das Recht auf berufliche Selbstverwirklichung weniger zugestanden als Männern.» (S. 30)
Schon 2007 stand die Familienpolitik auf der politischen Agenda von Regierung und Landtag, schon vor zehn Jahren war eigentlich klar, in welche Richtung effektive Massnahmen zielen müssten. Damals wurde intensiv über die Einführung eines Familiengeldes diskutiert, mehrere Vorstösse zur steuerlichen Entlastung von Familien lanciert, Motionen zum bezahlten Elternurlaub eingereicht, ein Familienrat einberufen und Gutachten in Auftrag gegeben – z. B. über Möglichkeiten zur Besserstellung nicht erwerbstätiger Elternteile in der AHV. Zehn Jahre und einige Interpellationen, Initiativen, Postulate, Vernehmlassungsberichte und Arbeitsgruppen später stehen wir praktisch am gleichen Ort. Vieles wurde, mitunter auch aus parteitaktischen Gründen, blockiert oder mit dem Argument gebodigt, dass es nicht erwerbstätige Mütter benachteilige. Vieles wurde aus Kostengründen abgelehnt oder schubladisiert.
Es bringt nichts, wie Mauro Pedrazzini am 7. November 2017 im Interview ausführt, in der Diskussion die ausserhäusliche Betreuung gegen die Betreuung zu Hause auszuspielen. Die Betreuungsarten vermischen sich in der Praxis immer mehr, die Grenzen verschwimmen. Echte Wahlfreiheit beim Familienmodell ist dann gegeben, wenn sich für untere und mittlere Einkommensschichten die Erwerbstätigkeit finanziell lohnt und nicht für die Kitakosten wieder aufgebraucht wird. Und es geht auch darum, endlich bei der grössten Benachteiligung nicht erwerbstätiger Mütter, nämlich ihrer fehlenden eigenständigen Altersvorsorge, anzusetzen. Erst, wenn man politisch bereit ist, hier auch Geld einzusetzen, wird die Arbeit nicht erwerbstätiger Müttern nicht nur verbal, sondern tatsächlich gewürdigt.

Claudia Heeb-Fleck,
Vorstand Frauennetz

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2018, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung