Leserbrief

Der Papst und Xi, Zukunftsträchtiges aus der Geschichte, I

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 16. November 2017

Glaube und Politik

Xi Jinping, ein an der Tsinghua Universität 2002 promovierter Jurist, wurde März 2007 Parteivorsteher von Schanghai, mit 24 Millionen Einwohnern die grösste Stadt Chinas. Niemand kannte ihn. Seine Frau, Peng Lyuan, die Volkssängerin, war dagegen so berühmt, dass die Leute sagten: «Ja, Xi, der Mann von Peng.» Als Parteivorsteher handelte er sachlich. Alle Beamten bangten um ihre Arbeitsplätze. Die Stadttraditionen rechtfertigten ihre Entlassungen, um die Stellen für die Anhänger des neuen Parteichefs freizumachen. Xi zog dagegen vor, das Personal zu behalten, und vermied, Seilschaften, um sich zu bilden. Ein wirkungsvolles Nichtstun. Alte Cliquen verschwanden lautlos. Der Schlangenfonds, den sein Vorgänger für die eigenen Geschäfte offengelassen hatte, verschlang sich selbst in zwei Wochen, weil ihm alle Banken seinen Gläubigercharakter lautlos aberkannten.
Geschichte war das Wissen, das Xi am höchsten schätzte. Ebenso schärfte er ein, dass die Jugend sich am meisten dem Studium der Mathematik, der Physik, der Chemie, der Biologie und des Rechts zuwenden sollte. Das Publikum hiess seine Bildungspolitik besonders willkommen, weil Xi sich darum kümmerte, dass alle Begabten die Universität erreichten. Stipendien sorgten dafür, dass sich auch die Ärmsten ein Studium im Ausland leisten konnten. Xi pries oft Ma Xiangbo SJ (1840–1939), einen Jesuiten, der die Fundan und Zhendan Universitäten in Schanghai 1903 gründete. Auch betonte er gelegentlich, dass die Gesellschaft Jesu durch Matteo Ricci SJ und Ferdinand Verbiest SJ nach 1600 dazu entscheidend beigetragen hatte, dass sich China wissenschaftlich entwickelte. Kaum ahnte Xi 2007 aber, dass er einen Seelenverwandten auf der anderen Seite der Erdkugel, Jorge Bergoglio SJ, Kardinal von Buenos Aires seit 2001, hatte. Das Konklave der Kardinäle wählte Jorge Bergoglio SJ am 13. März 2013 zum Papst. Der Nationale Volkskongress wählte Xi am 14. März 2013 zum Staatspräsidenten der Volksrepublik Chinas. Eine Milliarde Volkschinesen und eine Milliarde Katholiken verbinden Xi und den Papst welweit, aber die Geschichte zählt hier noch mehr.
Südamerika und China gelten, seitdem Ignatius von Loyola die Gesellschaft Jesu 1534 gründete, als Kontinentalzellen ihres Werkes. JB SJ, jetzt Papst, war Provinzial, Leiter der Jesuiten für ganz Argentinien von 1973 bis 1979, sein Hauptsitz lag in San Miguel. Ich konnte persönlich sein Interesse für die Notlage des Ordens in China erleben. Darüber zu erzählen, verlangt aber einen weiteren Leserbrief.
Mit freundlichen Grüssen,

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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