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Leserbrief

«Warum denn in die Ferne schweifen ...»

Sylvia Donau,Im Gapetsch 36, Schaan | 14. November 2017

Landesspital

Ich bin vor ein paar Tagen im Landesspital Vaduz operiert worden und war mehrere Tage dort. Es ist heuer meine zweite Operation, voriges Jahr hatte ich auch eine. Und auch diesmal bin ich wieder begeistert von der fachlichen Kompetenz der Ärzte und der liebevollen Pflege des Personals. Zu sagen, man fühlt sich wie zu Hause, ist keineswegs übertrieben. Beste Pflege, alles klein, überschaubar, heimelig und persönlich. Ich kann immer weniger verstehen, dass man in Spitäler über die Grenze geht. Das sind Riesenkomplexe, Fabriken, in denen der Einzelne, wenn er nicht gerade privatversichert ist, sich als Nummer fühlt. Da es hier im Land nicht an der Kompetenz der Ärzte und der Freundlichkeit und Herzlichkeit der Schwestern und des üblichen Personals liegen kann, so kann es sich doch nur um ein Politikum und eine Fehlbesetzung der übergeordneten Instanzen und Gremien handeln. Warum sieht man da immer noch zu, warum wird nicht endlich hergegangen und diese führenden Köpfe durch andere, die fähiger sind und mehr Verständnis für die Probleme und den Erhalt ihres Landesspitas haben, ersetzt. Es kann doch nicht angehen, dass die eigenen Bürger in Schweizer Spitäler gehen, die damit immer mehr Geld einnehmen, während das eigene Landesspital kämpfen muss. Wo ist da der Patriotismus, wo der Stolz, ein eigenes, gut geführtes Landesspital zu haben? Das kann ich nicht verstehen und überhaupt nicht nachvollziehen. Das ist ein Armutszeugnis, ist Gleichgültigkeit und Desinteresse. Das Land ist doch wirklich nicht arm, aber anstatt endlich dem Spital für immer zu helfen und mit Stolz ein eigenes Landesspital vorzuweisen, nein, da sind andere Sachen, für die man genug Geld hat, viel wichtiger, wie zum Beispiel eine Hängebrücke, ein Euro-Songcontest und vieles andere mehr. Ein reiches Land ohne eigenes Spital für alle – traurig, dass man darüber überhaupt noch diskutieren muss. Da fällt mir nur der leicht abgewandelte Anfang eines Gedichtes von Goethe ein: «Warum denn in die Ferne schweifen, sieh, das Gute liegt so nah ...»

Sylvia Donau,
Im Gapetsch 36, Schaan

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