Leserbrief

Nicht nur eine Ungleichbehandlung

Hans Mechnig,Tröxlegass 46, Schaan | 30. Dezember 2015

Kita-Finanzierung

In grossen Lettern teilte uns die Schlagzeile des «Volksblatts» vom 23. Dezember mit, dass die staatliche Förderung von Kitas nicht zu Ungleichbehandlung führe. Wie bitte? An bestimmte Mitglieder der Gesellschaft werden staatliche Leistungen in erheblichem Umfang ausbezahlt, die andere Mitglieder der Gesellschaft nicht erhalten – und trotzdem führt das nicht zu einer Ungleichbehandlung? Wie soll das möglich sein? «Auf die Begründung bin ich nun aber gespannt», habe ich mir da gedacht. Mit fortschreitender Lektüre hat dann die Spannung aber leider ab- und dafür die Enttäuschung zugenommen. Andererseits könnte man das Ganze aber auch positiv formulieren und sagen: die (geplante?) Täuschung hat nicht funktioniert! Selbstverständlich ist die staatliche Förderung, staatliche Subventionierung von Kitas, beziehungsweise von deren Kunden, eine Ungleichbehandlung. So wie jede staatliche Subventionierung eine Ungleichbehandlung ist. Warum auch soll das ausgerechnet hier anders sein? Wobei das Wort «Ungleichbehandlung» eigentlich ohnehin eine Verharmlosung des tatsächlichen Sachverhalts ist. Da es nämlich der Staat ist, der ungleich behandelt, ist es nicht «nur» eine Ungleichbehandlung. Damit wird es eben zum Unrecht. Der für eine gerechte Gesellschaft elementar wichtige Grundsatz der Gleichheit vor dem Gesetz (und nur vor dem Gesetz!) wird (ein weiteres Mal) durchbrochen. Dass wir fast alle irgendwie in dieses schlussendlich zudem noch ineffiziente und damit kostspielige «linke-Tasche-rechte-Tasche-Geschachere» involviert sind, ändert daran rein gar nichts.

Hans Mechnig,
Tröxlegass 46, Schaan

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.
Volksblatt Werbung