Leserbrief

An die Befürworter des KVG und an die Regierung

Monika Gassner,Schimmelgasse 4, Vaduz | 30. Oktober 2015

KVG-Referendum

Ich finde es bedenklich, dass die «Schlammschlacht» und die Verunsicherung der Bevölkerung nun erneut losgetreten wird mit Diffamierungen in Leserbriefen wie «es profitieren die Mengenbolzer der Ärzteschaft, die Millionen auf Kosten der Allgemeinheit kassieren», wenn die KVG-Revision in der Volksabstimmung abgelehnt wird.
Es wird Angst verbreitet mit Aussagen von ungebremsten Prämienwachstum, mit Abzockerei von Teilen der Ärzteschaft ohne Sanktionsmöglichkeiten.
Das jetzige Gebilde der KVG-Revision ist dermassen undurchsichtig und kompliziert, dass es keine Garantie auf langfristige Prämienreduktion verbürgt, ohne gravierende Schäden zu hinterlassen. Es stimmt auch nicht, dass es bei Ablehnung keine Sanktionsmöglichkeiten gibt für Unregelmässigkeiten bei einzelnen Ärzten. Zudem ergeht ein neuer Antrag an die Regierung, ein solidarisches Konzept auszuarbeiten für eine KVG-Revision, die sozialverträglich ist mit ordentlichem unwillkürlichen Kündigungsrecht der OKP-Verträge. Mit dem kürzlich erarbeiteten Tarifsystem, welches nicht gegen den (Katz im Sack eingekauften) teuren Tarmed ausgetauscht werden muss. Wobei der Tarmed für die Ärzte sogar teilweise Mehreinnahmen bringen wird.
Die grosse Zahl der Unterschriftensammlung zeigt, dass das Volk eine Abstimmung wünscht und dies ist zu respektieren – ohne Angstmacherei. Diese alten diktatorischen Angstparolen sowie Behauptungen, der Seniorenbund liesse sich vor den Karren der Ärztekammer spannen, passen nicht in ein Selbstverantwortung tragendes, modernes Land. Der Mensch muss im Mittelpunkt stehen und nicht das Gesundsparen der Regierung eines solch reichen Landes auf Kosten des Mittelstandes. Davon hat die Bevölkerung endlich genug und sie ist nicht mehr gewillt, dies alles hinzunehmen.
Ausserdem hätte die Ärztekammer jederzeit das Recht gehabt, (wie jede andere Organisation oder jeder Bürger auch), selbst das Referendum zu ergreifen. Sie muss sich nicht hinter der Gruppe «fL21» verstecken. Für mich sind das völlig unnötige Verunsicherungen der Bevölkerung gegenüber und einmal mehr wird Misstrauen gegen die Ärzteschaft gesät. Ich bin dankbar, dass wir ethisch und fachlich hochqualifizierte Ärzte haben, die sich tagtäglich für ihre Patienten einsetzen.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

Wir müssen Herrn Pedrazzini noch «Danke» sagen, wie Herr D. Vogt erwähnte, dass er den Holzhammer schwingt? So weit kommt es noch. Soweit krieche ich nicht …
Ihr glaubt doch nicht ernsthaft, dass wir Gegner noch «Danke» sagen, wenn dem Mittelstand und den Rentnern das Geld aus der Tasche gezogen wird?! Ihr glaubt auch noch, dass die Prämien mit diesem KVG nicht weiter steigen, obwohl schon ein Überschuss vorhanden ist?! Träumt weiter … Hat man einmal einen Vorrat gescheffelt, will man immer mehr ...
Herr D. Vogt sagt ja auch lapidar, dass wir ohnehin Prämienverbilligung erhalten werden. Für mich ist das aber keine Lösung, sondern lediglich eine Umwälzung, eine Verlagerung der Kosten. Wenn es gerecht laufen sollte, dann sollte man die Prämien lohnkostenabhängig machen. Anscheinend läuft es in etlichen Ländern bereits so ab, nur nicht bei uns – und auch nicht in der Schweiz.
Lasst mich raten: Ihr habt Angst um eure Millionen! Wir aber jedoch können froh sein, wenn uns überhaupt noch 100 Franken Ende Monat bleiben, zumal seit 2002 keine Rentenanpassung mehr erfolgt ist, aber immer alles teurer wird! Wie viel Mal seit 2002 wurde die Krankenkassenprämie erhöht, wie viel Mal die Renten? Die Schweiz hat rund 700 Franken mehr zur Verfügung, aber ihr in Liechtenstein wollt 2017 noch kürzen? Das ist der Obergau schlechthin! Das ist beschämend für Liechtenstein, in dem angeblich so viele reiche Leute leben.
Legt euch doch mal mit der Pharmaindustrie an oder oder schaut euch die Verträge von Spitälern u. Rehakliniken an. Dort gäbe es auch einiges zu ändern, einiges einzusparen! Es gibt so viel an Potenzial, aber nein: Vom kleinen Mann/der kleinen Frau will man es – wie immer! Uns reicht es!
Verzinst ihr doch mal all die Mieteinnahmen der Liegenschaften, die ihr in eure Taschen steckt. Dann sehen wir, wie schnell Millionen vorhanden sind, um das «reiche» Liechtenstein zu sanieren. Wo bleibt denn eure Eigenverantwortung, wo eure Initiative? Viele Menschen konnten und können schlichtweg nicht soviel Geld zur Seite scheffeln, damit man es in der Rente etwas ruhiger nehmen kann, so wie es die Landesvertreter können, denn eure Taschen sind voll und ihr habt gut Reden: «Das bisschen Geld kann sich jeder noch leisten». Das ist eben nicht so!
Und: Der St. Galler Olma-Böögg hat seinen Dienst getan, aber die S-Bahn noch nicht. Mit 43,5 Millionen könnte man die Renten aufbessern, der Post etwas unter die Arme greifen, auch einen Teil wieder dem LED zukommen lassen (den ärmsten Menschen auf der Welt), oder nicht zuletzt der Krebsliga, die u. a. auch krebskranke Menschen finanziell unterstützt und somit auch Kosten der Krankenkasse einspart. Aber euch scheint das alles eben nicht wirtschaftlich genug zu sein. Das ganze Geld könnt ihr aber auch nicht mitnehmen, nachdem ihr euch zu Tode geschuftet und dafür nur wenig gelebt habt. Aber davor bitte nicht zum Arzt gehen – es könnte Kosten verursachen!

Monika Gassner,
Schimmelgasse 4, Vaduz

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