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Leserbrief

Änderungen, die für den LSB nicht zu akzeptieren sind, Teil zwei

Liechtensteiner Seniorenbund | 30. September 2015

KVG-Revision

Zum Lesebrief von Frau Ruth Schöb, erschienen am 28. September. Sie hat gute Insiderinformation. Von wem wohl?
Erstens: Chronisch krank wird niemand von einem Tag zum anderen. Chronisch krank sind Personen, die nachweislich wegen derselben Krankheit seit wenigstens einem Jahr in ärztlicher Dauerbehandlung sind. Personen mit Allergien, angeborenen Herzfehlern etc. Hier liegt die Betonung auf «derselben Krankheit». In der Praxis sieht es so aus: ein Patient geht wegen eines Leidens zum Arzt, er wird untersucht, bekommt Medikamente. Die Nebenwirkungen fördern eine neue Beschwerde, die wiederum mit neuen Medikamenten behandelt wird. Es sind bereits zwei Krankheiten. Noch mehr Untersuchungen, noch mehr Medikamente, noch mehr Neben- und Wechselwirkungen und so entstehen verschiedene Krankheiten, nicht nur «dieselbe Krankheit». Besonders bei Senioren ist das der Fall.
Zweitens: Die Tarife in Liechtenstein sind nicht niedriger als in der Schweiz. Vergleicht man zwei Rechnungen eines Allgemeinmediziners in der Schweiz und in Liechtenstein, ist die Rechnung vom Schweizer Arzt niedriger. Spitalrechnungen sind nicht nachvollziehbar, weil es einfach nur eine Tarifposition gibt. Welche Untersuchungen, welche Behandlungen und welche Medikamente verabreicht wurden steht nicht auf der Rechnung.
Drittens: Die Einführung einer einkommensabhängigen Prämie wurde vor Jahren vom Landtag abgelehnt.
Viertens: Dass sich die Ärztekammer gegen jegliche Kontrolle wehrt, ist nachvollziehbar. Alles, was sie tut, geschieht ja zum Wohle der Patienten. Wirklich? Was ist mit Überarztung, Übermedikation, Fehldiagnosen? Das heisst auch, dass Patienten keine Eigenverantwortung übernehmen sollen.
Fünftens: Mag sein, dass das Tarmed nicht das Gelbe vom Ei ist, oder die Erhöhung von Selbstbehalt auf 20 Prozent zu hoch sei, aber Frau Schöb hat noch nie eine bessere Lösung zur Senkung der steigenden Gesundheitskosten präsentiert. Warum nicht?

Agnes Dentsch,
Poliweg 12, Ruggell

?Kostenbeteiligung: Auch wenn für Senioren der Selbstbehalt von 20 auf 10 Prozent reduziert wurde, resultiert für Senioren eine Kostenbeteiligung von 950 anstatt wie bisher 400 Franken, also mehr als doppelt so viel. Ein Selbstbehalt von 20 Prozent und eine totale Kostenbeteiligung von 1400 Franken für die übrigen Versicherten zusätzlich zu den bereits massiv erhöhten Prämien sind gerade für die Angehörigen des Mittelstandes, die keinen Anspruch auf Prämienverbilligung haben, im Krankheitsfall eine massive Mehrbelastung.
?Liechtensteinischer Krankenkassen-Verband (LKV): Auch wenn die Befristung der OKP-Verträge gestrichen und die Bedarfsplanung wie bisher von LKV und Leistungserbringern gemeinsam erstellt werden soll, kommt dem LKV nach wie vor über die vorgeschlagene Möglichkeit, OKP-Verträge zu kündigen, zu grosses Gewicht zu. Dabei ist in keiner Weise störend, dass ein OKP-Vertrag gekündigt werden kann, sondern dass das Verfahren dazu nicht einmal im Ansatz nach rechtsstaatlichen Prinzipien geregelt ist.
Im Übrigen bedauert der LSB, dass sein Vorschlag zur Abschaffung des LKV nicht näher geprüft wurde. Es stellt sich wohl zurecht die Frage, wie sich die Kosten für einen Apparat mit Geschäftsführer, Vorstand und so weiter für zwei Kassen rechtfertigen lassen.
Jeder Bürger und alle Einwohner Liechtensteins sind durch diese Gesetzesrevision unmittelbar selbst betroffen. Daher werden die geplanten Änderungen auch landauf, landab in der Bevölkerung intensiv diskutiert. Dies und vor allem die entsprechenden zahlreichen Rückmeldungen, die wir von unseren Mitgliedern bekommen haben, brin-gen uns zur Überzeugung, dass die Bevölkerung Liechtensteins in dieser Sache ein gewichtiges Wort mitreden will. Wir bitten den Landtag daher, im Falle einer Verabschiedung dieser Gesetzesvorlage ein Referendum zu beschliessen und so wenigstens den Bürgern dieses Landes die Möglichkeit zur Mitbestimmung zu geben.

Liechtensteiner Seniorenbund

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