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Leserbrief

Vom Hyper- moralismus zum Arzthelfersyndrom

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 27. August 2015

Überarztung

In dieser ganzen Debatte bleibt der Patient auf der Strecke.
In der Presse ist zu lesen: Der LKV hat «hochgradig unfair» gehandelt. Die Ärztekammer ist «unschuldig». Es wird wieder gedroht: Wenn weiterhin Ärzte angegriffen werden, gibt es irgendwann keine Ärzte mehr im Land. Ärzte wollen keine «Billigmedizin» (kann das Wort schon nicht mehr hören). Bringen nur teure Medikamente und Untersuchungen Gesundheit?
Die Patienten haben die Wahl: Entweder sie tun, was die Ärzte sagen ohne Wenn und Aber, oder es gibt keine Ärzte mehr. Ist ja ein Witz. Sie haben auch nicht zu reklamieren, wenn die Prämien ständig erhöht werden. In der Schweiz werden die Ärzte mehr kontrolliert. Patienten in der Schweiz haben auch ein Lobby durch die SPO (Schweizerische Patientenorganisation). Im Land funktioniert das nicht.
In Anbetracht dessen, dass wir mehr als genug Ärzte im Land haben, dass immer mehr Privatkliniken gebaut werden, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass im Land die Ärzte aussterben.
Ausserdem wehre ich mich als Pensionistin dagegen, wenn behauptet wird, dass das Alter eine Krankheit ist. Ist es nicht! Dass unser Körper immer älter wird und nicht mehr so rüstig ist wie in den jungen Jahren, ist ein normaler Vorgang des Lebens. Es ist auch Fakt, dass Senioren durch die viele Medikamente und ständigen Arztbesuche krank gemacht werden. So werden chronisch Kranke von den Ärzten «produziert», aber zum Glück nicht von allen Ärzten.
Die Tarife in der Schweiz sind günstiger. Nur ein Beispiel: Der Taxpunktwert (ist auf jeder Arztrechnung ersichtlich) beträgt im Land 1,65, in der Schweiz 82 bis 97 Rappen (je nach Kanton). Das heisst: Konsultation pro 10 Minuten im Land beträgt 20,30 x 1,65 = 33,50 Franken, dasselbe in der Schweiz (20,30 x 0,97) = 19,69. Dass die Ärzte im Land gegen die Einführung von Tarmed protestieren, liegt auf der Hand.
Ich wünsche mir mehr Aufklärung und Transparenz für die Patienten und keine Drohungen.

Agnes Dentsch,
Poliweg 12, Ruggell

Frau Ruth Schöb recherchierte im Falle des jungen Fahrraddiebes genau und wusste zu berichten, dass dieser nicht nur wegen der gestohlenen Räder ein Jahr in den Knast musste, sondern weil er im Ausland schon oft verurteilt wurde. Leider berichtet sie nicht, ob die Drogen den Mann aus der Bahn warfen, oder ob er von Haus aus schon ein Schlawiner ist. Auch geht sie der Frage nicht auf den Grund, ob der Kriminaltourist, wie sie ihn nennt, hier für ein Jahr nur wegen der Räder in die Kiste muss, oder dafür, dass er im Ausland schon Strafen abgebüsst hat und deswegen hier nicht mehr verurteilt werden müsste. Erhellend in solchen Fällen ist allemal ein Blick in die Schweizer Bundesamtstatistik für Strafvollzug, die zeigt, dass: Im Jahre 2014 von den 6923 Gefängnisinsassen 73 Prozent Ausländer waren.
Etwas zarter, dafür den Wolken der unfehlbaren Gerechtigkeit sehr nahe, schwebt Frau Schöb im luftigen Gewande der Justitia durch die pecunienbehängten Mythologien der Götter in Weiss. Hier macht sie klar den LKV als schlampigen Gesellen aus und unterstellt ihm Schlendrianentum erster Güte. Den liechten-steinischen Gerichten bescheinigt sie wie im Falle des drogenbedingten Fahrraddiebstahls Unfehlbarkeit noch besserer Präferenz.
In ärztlichen Verträgen sieht sie keine Möglichkeit einer Dauer von vier Jahren. Jeder Jurist, Amtsleiter etc. würde bei Verträgen solcher Länge ablehnen und das Weite suchen, meint sie. Also bei den Juristen weiss man das nicht, aber ob den Amtsleitern Arbeitsverträge von nur vier Jahren viel zu lang wären und sie deswegen das Weite suchen würden, wäre eine Sache für die Grübelregion des Kleinhirns.
Immer wieder opfert Frau Schöb einen beträchtlichen Anteil ihrer Schreibtinte dem Sektor Billigmedizin. Mit diesem Wort wurde ein Begriff geschaffen, den Patienten Angst einzujagen und die Herren und Frauen Mediziner noch unfehlbarer darzustellen. Entweder nimmst du meine teuren Dienste in Anspruch oder ich verabreiche dir Billigmedizin. Das heisst, anstatt Aspirin Holundersirup oder anstatt eines neuen Kniegelenkes die billige Säge.
Wenn ich mit meinen Schmerzen zum Doktor gehe, bezahle ich auch seine Ethik. Und von dieser erhoffe ich mir, dass er mir das Beste antut. Das bedeutet, dass er mir anstatt einem teuren Medikament, ein Generika mit gleichen Inhaltstoffen verschreibt, wenn dieses nur einen Bruchteil kostet. Und zwar auch dann, wenn er den Porsche in seiner Garage gegen einen VW Golf eintauschen muss.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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