Leserbrief

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Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 26. August 2015

Überarztung

Zum Leserbrief von Harry Quaderer («Gestörtes Rechtsempfinden» vom 22. August): Der erwähnte junge Mann wandert ein Jahr ins Gefängnis, aber nicht weil er ein paar Fahrräder geklaut und Ladendiebstahl begangen hat, sondern wegen einschlägiger Delikte in den vergangenen zwei Jahren. Er wurde sieben mal in drei Ländern verurteilt, mehrmals sass er im Gefängnis, er musste sich zu einer Drogentherapie verpflichten, behördliche Schreiben hätte er aus Desinteresse nie gelesen. Der öfters eingesessene «Kriminaltourist» ist nicht wegen ein paar Fahrrädern und Ladendiebstahl verurteilt worden. Soviel zur «gekürzten» Berichterstattung von Harry Quaderer, DU, der diesen Vorfall mit dem fehlbaren Arzt vergleicht, der vom Staatsgerichtshof dazu verurteilt wurde, seine überhöhten Abrechnungen den Krankenkassen zurückzuerstatten. Die Ärztekammer hat schon vor zehn Jahren darauf aufmerksam gemacht. Der LKV hat das Verfahren jahrelang liegen lassen. Auch ein Ausschluss des OKP-Vertrages obliegt dem Krankenkassenverband.Die gerichtlichen Instanzen haben korrekt gehandelt.
Es ist ein riesiger Unterschied, ob nun OKP-Verträge leichter kündbar gemacht werden sollen (sie sind auch heute kündbar) oder ob die Vierjahresfrist für OKP-Verträge eingeführt werden soll (gemäss KVG-Revision). Eine Kündigung des OKP-Vertrages bei groben Verfehlungen ist etwas ganz anderes als eine generelle Vierjahresbefristung für jeden Arzt, der dann keine planbare Perspektive für sich und seine Mitarbeiter mehr sieht. Dahinter versteckt sich die Forderung Billigmedizin zu betreiben, um zu einer erneuten Verlängerung des OKP-Vertrages zu kommen. Das ist keine leere Drohung – es soll ja gespart werden. Dann müsste ernsthaft ein Referendum in Erwägung gezogen werden. Die Frage wird sein: Bin ich mit der jetzigen ethisch vertretbaren Medizin hier zufrieden oder will ich eine billigere und damit schlechtere Medizin mit drastischen, gesundheitlichen Konsequenzen für jeden Patienten?
Niemand in der Privatwirtschaft würde sich auf einen Vierjahresvertrag einlassen! Jeder Jurist, Manager, Banker, Amtsleiter etc. würde bei solchen Arbeitsverträgen kopfschüttelnd das Weite suchen und dankend ablehnen.
Diese Falschabrechnung des Arztes und dessen Verurteilung zeigte, dass es dazu keinen Tarmed braucht. Der von der Ärztekammer und der Regierung beschlossene liechtensteinische Tarif reicht vollkommen aus.
Ein sofortiges Einschreiten des LKV hätte das Urteil nicht so lang verzögert. Zudem wurde dieser Sachverhalt verschwiegen.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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