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Leserbrief

Der Stuhlgang

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 31. Juli 2015

Konsum und Umwelt

Da sitzt sie nun. Auf einem billigen Klapprohrstuhl mit knallrotem Stoff. Die Rohre aus minderwertigem Aluminium, die Nieten aus Stahl ähnlicher Güte. Die Rohre stammen aus einer abgetakelten Aluminiumhütte ohne Rauchfilter in den Schloten, aus dem smoggeplagten Nordwesten Chinas. Das rote Nylongewebe wird in Indien auf alten Saurer Maschinen gewoben. Eingefärbt zu Fuss in Bottichen aus Lehm im Freien, unter sengender Sonne. Tagelang wird es dort von einer roten giftigen Brühe in die andere getunkt und blanken Fusses eingewalkt. Montiert wird der schöne Klappstuhl in Bangladesch in einem Hinterhof von Kindern. Alle unter zehn Jahre alt, mit einem Monatslohn von umgerechnet auch nur zehn Franken. Ist er endlich fertig, landet er in einem der 20 000 Container einer einzigen Ladung von einem der 15 neuen CSL-Globe-Containerschiffe in Rotterdam. Von dort bringt ihn dann ein 40-Tönner in die Migros Buchs, wo er für wenige läppische Franken zu haben ist.
Da sitzt sie nun, auf dem roten Klappstuhl. An den Füssen ein Paar moderne, rassige Turnschuhe der Marke «M». Wahrscheinlich Monsanto? Auch diese Turntappen haben ein Herstellungsschicksal wie der Stuhl. Sie werden in einem einzigen Stampf auf einer alten Gummipresse in Kasachstan hergestellt. Dann mit Klettverschlüssen versehen, die Farben aufgetunkt und schon in die Schachtel und auch in den Container.
Da sitzt sie nun auf dem roten Klappstuhl in eleganten blauen Jeans. Deren Stoff stammt ebenfalls aus Indien und wurde in einer riesigen alten Halle auf uralten Schweizer Rieter-Maschinen gewoben. Das schon blau eingefärbte Garn hatte auch die Lehmtöpfe der Freiluftfärberei durchlaufen. Danach landete der Stoff bei der Firma Lazaro Cardenas 1416 45589 Tlaquepaque, Jalisco Mexico, die sich auf das Nähen von Denim-Jeans spezialisiert hat. Hat die Jeans bald ausgedient, landet sie in Afrika auf den Jeansmärkten. Dort sind wegen unserer Spendierfreudigkeit alle Tuchfabriken längst pleite.
Da sitzt sie nun, Frau Monika Gstöhl, von der LGU auf dem roten Klappstuhl, in den eleganten Jeans und den schönen Turntappen und lächelt am Ufer des Rheines für das «Sommergespräch» in die «Volks-blatt»-Kamera. Und sie gibt zum Besten, dass: «Ein grösseres Umweltbewusstsein leider nicht automatisch grösseren Umweltschutz bedeutet.» Warum sie dabei nicht auf einem Stuhl vom heimischen Schreiner sitzt und gesunde luftdurchlässige Schuhe, hier hergestellt aus heimischem Rindsleder, trägt, bleibt für uns für immer im Dunkeln verborgen.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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