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Leserbrief

Tunnelblick

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 29. Juli 2015

Raserei im Steg

Ich möchte Philippe Landis drauf aufmerksam machen, dass die meisten Autofahrer wahrscheinlich doch im Besitze, einer eigenen Psyche sind, welche es zu durchforsten lohnt, um der Raserei vom Steg bis nach Malbun auf den Grund zu kommen.
Die sogenannten Verkehrssünder und die Polizei sind längst eine einträgliche Symbiose eingegangen. Es muss Geld in die Polizistenkasse und man darf einander nicht wehtun, damit der Renditenstrom ja nicht abreisst. So sind die Radarkästen eine sehr gute Einnahmequelle, auf welche der Staat nicht mehr verzichten kann. Dass die Polizei alle, welche sich erlauben, das Lenkrad ein wenig zu sehr nach links oder rechts zu drehen als «Verkehrssünder» brandmarkt, hat System. «Gesetzesbrecher» reicht nicht aus, um den Autofahrer hilf- und willenlos zu machen. Er soll sich auch noch vor Gott schuldig, nackt und erbärmlich fühlen. Da wird verständlich, dass jener Autofahrer, welcher noch nicht ganz blutleer und willenlos gemacht wurde, so ab und zu ausbrechen muss.
Nahrung bekommen die Autolenker, indem man sie überall schikaniert. Verkehrsinseln, Eisenpfosten, Tafeln, Ketten, Verbote, Gebote, Verkehrskontrollen zu jeder Tages- und Nachtzeit usw. Das so lange, bis es dem einen oder anderen «aushängt» und er, um den Frust abzuschütteln, halt einmal kurzzeitig auf das Gaspedal drückt. Diese unterscheiden sich von jenen, welche so dann und wann mit nur wenig erhöhter Geschwindigkeit sogar gerne in die Radarfalle fahren, um als Robin Hood das eigene Heldentum am eigenen Leibe zu spüren, um in geselliger Runde Bravbürger von ihrem Mut erzählen zu können.
Bei alledem kommen ab dem Tunnel Steg möglicherweise noch andere Beweggründe. Der Druck auf das Hirn im Tunnel und dann die weite Öffnung im Steg und das Gefühl der alpinen Freiheit, das Wildern und Jagen, wecken halt im einen oder andern die Urinstinkte. Dies vorwiegend bei den Bergern, die zu Recht glauben, das Walsertum verpflichte zur bedingungslosen Freiheit auch auf der Strasse und vor allem im eigenen Auto.
Die anderen sind die Ferienhaus- und Ferienwohnungsbesitzer in Malbun. Jene haben sich mit ihren sehr teuren Zweitwohnsitzen dort oben auch das Recht auf Erholung – und sei es jene von Verkehrszwängen – mitgekauft.
Die noch andere Gilde sind jene, welche sich noch schnell einen Kaffee im Malbun gönnen. Wissend, dass sie der Umwelt nur wegen einen Kaffees keinen Gefallen tun, drücken sie aufs Gaspedal, um die Gewissheit zu erlangen, ein gutes Auto gekauft zu haben, welches man ja testen muss.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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