Leserbrief

Rap is not Hip-Hop, it is a part of Hip-Hop

Steffi Staufacher, im Pardiel 64, Schaan | 29. Juni 2015

Geschichte des Hip-Hop

Dieser Artikel im «Volksblatt» vom Samstag (27. Juni 2015) über Rap in Liechtenstein, was war das? Eine Zeitungsente? Nein, wohl eher ein ganzer Ententeich. Erstens, die Wurzeln der Hip-Hop-Kultur in Liechtenstein seien 1993 mit der Gründung der Gruppe «Iceslam» zu finden. So weit ich mich erinnern kann, waren schon in den 1980er-Jahren unter den Rheinbrücken und diversen anderen Plätzen Graffiti anzutreffen. Somit ist der Ursprung von Hip-Hop in Liechtenstein viel früher anzusetzen. Denn Grafitti ist auch ein Teil der Hip-Hop-Kultur, und zwar der grundlegendste. Das ging so schon in den 1960er-Jahren los, dann kamen Breakdance und die Blockparties hinzu, an denen sich die Leute trafen und die DJs Platten auflegten und «Turntabelism» (Plattenspielerakrobatik) zum Besten gaben. Rap kam als letztes «Element» hinzu und entstand aus dem «Toasten» heraus (DJs, die per Mikrofon die Music, die sie auflegten, pushten). See Jezz sagte, im Hip-Hop gehe es um Storytelling. Storytelling ist nur eine von vielen Arten, wie man einen Raptrack gestalten kann. Toblhacker sagt, es gehe darum, etwas von seinem Leben oder mal eine coole Geschichte zu erzählen, und ab und zu könne ja auch mal ein «Diss-Track» drinliegen. Naja, ist auch alles nicht ganz falsch. Storytelling, also mal eine Geschichte aus dem Leben zu erzählen, ist nur das Gerüst, in das man seine Ansichten zur Sache, seine persönliche Stellung zum Thema und damit die Message (Botschaft), die zwischen den Zeilen zu finden ist, verpackt. Aber für einen «Diss-Track» braucht es schon auch einen handfesten Konflikt (Beef) mit einem anderen Rapper; sonst ist «dissen» und «batteln» (sich im Duell messen) mehr so eine Sache auf Freestyle-Veranstalungen – wo die Rapper sich aus dem Stegreif heraus die Verse und Reime frei aus dem Kopf heraus um die Ohren hauen. Eigentlich geht es im Rap darum, über die Musik möglichst viele Leute zu erreichen und mit sozialkritischen und weltanschaulichen Dingen die Moral und Ansichten der Menschen zu bewegen oder zu stärken und auf heikle Themen aufmerksam zu machen, und so zu versuchen, in den Köpfen der Menschen etwas zu ändern. Bei Hip-Hop selbst geht es nicht nur um die Musik, es geht um den Jam (wenn sich die Szene zu einem Anlass trifft). Was Tag für Tag auf der Stras­se abläuft, der «Daily Struggle», ist die Sache, die der ganzen Bewegung zugrunde liegt, sie umgibt und die Basis liefert. Hip-Hop ist die Party, an der sich die Leute treffen, um eine gute Zeit zu haben. Raper «batteln» sich und geben Lieder zum Besten, die Breaker tanzen und die Graffiti-Jungs und -Mädels sorgen für das entsprechende Ambiente. Das ist Hip-Hop.

Steffi Staufacher,
im Pardiel 64, Schaan

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