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Leserbrief

Die Insel der Gewesenen

Jo. Schädler, Eschnerstr. 64, Bendern | 22. Juni 2015

Kritiker

David Kalãkaua, geboren als David La’amea Kamanakapu’u Mahinulani Nalaiaehuokalani Lumialani Kalãkaua, war der letzte männliche Monarch des hawaiischen Königreiches. Ihm zu Ehren wurde die «Hauptstrasse» von Waikiki, direkt am gleichnamigen berühmten Strand entlangführend, benannt. Mit den vielen Inseln von Hawaii, hatte er natürlich alle Hände voll zu tun um den Überblick nicht zu verlieren, womit er ein viel beschäftigter Mann gewesen sein muss.
Nun gab uns der Regierungschef Einblick in seine doch sehr umfangreiche Regierungsarbeit und in sein Volumen an Verantwortung und Arbeit. Das war eindrücklich und man kam aus dem Stauen gar nicht mehr heraus, was in so einem kleinen Land alles berücksichtigt werden muss. Dagegen waren König David Kalakauas Wichtigkeiten geradezu ein Pappenstiel.
Enorme Arbeitszeit benötigt die Aufsicht über all die vielen Ministerien. Und so leicht wie Sepp Blatter, der sagte, er könne ja nicht immer alle kontrollieren, kann und darf es sich unser Regierungschef ja nicht machen. Da gilt es für ihn wachsamen Auges darüber zu sein, ob die Verkehrsministerin wirklich jeden Tag überprüft, ob denn der Brief aus Wien endlich auf der Post liegt. Ungeheuerlich und hundsgemein wäre natürlich, wenn ihn ein Unbekannter einfach heimlich unter Ministeriumstüre durchschieben würde. Da käme dann zum Eisenbahnspuk ja auch noch die gefürchtete ministeriale Kriminalromantik zum Zuge. Auch ist unser Regierungschef gefordert zu prüfen, ob unsere Bildungsministerin ihrerseits wirklich überfordert wäre, jeden Tag an der Universität Rapport zu nehmen, ob denn wirklich alle und vor allem genügend und noch wichtiger, auch die richtigen Studenten dort zugegen sind.
Und dann kommt noch der Druck aus der unzufriedenen und politikverdrossenen Bevölkerung. Unflätige Leserbriefschreiber, die nur immer herummotzen, oder gar solche, welche die Auflösung des Landtages in Betracht ziehen, gilt es für ihn scharf im wachsamen Auge zu behalten. Weil wenn jener durchkommt mit seiner Idee, dann ist aber etwas los auf der Insel der Glückseligen. Dann ist dann das Wasser aber am Kochen. Ein neuer Landtag müsste dann her. Und da sich immer weniger für dieses undankbare Amt zur Verfügung stellen, bliebe eine Zwangsrekrutierung wohl der einzig Ausweg. Oder wir ergeben uns dem Schicksal, so wie einst Hawaii, lassen uns vom nächst grösseren Staat annektieren und warten auf den Anstieg des Meeresspiegels, um alsbald als Insel der Gewesenen im Meer zu ersaufen.

Jo. Schädler,
Eschnerstr. 64, Bendern

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