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Leserbrief

Was haben Banker, Börsianer und Ärzte gemeinsam? (Teil 2)

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 16. Juni 2015

KVG-Reform

Dazu drohen Politik und LKV (ohne es direkt zuzugeben) mit ihrer absurden Vierjahresbefristung der OKP-Verträge. Da wird derjenige Arzt kaum zu einem Folgevertrag kommen, wenn er dem Spardruck nicht nachgibt, was zur Billigmedizin führen wird. Mehr als irritierend ist die Aussage von Thomas Hasler, LKV-Geschäftsführer: «Mein Arbeitsvertrag ist auf drei Monate jederzeit kündbar. Die Angst, der LKV würde eine Billigmedizin verlangen, zeuge von einem grossen Misstrauen der Ärzteschaft gegenüber dem Kassenverband» («Vaterland»-Interview). Thomas Hasler befindet sich in einem Angestelltenverhältnis mit seinem Vertrag, was nicht eins zu eins mit einem OKP-Vertrag gleichzusetzen ist. Wer eine Schreinerei, Restaurant oder ein Baugeschäft eröffne, habe auch keine Planungssicherheit, meint er. Ich denke, eine Arztpraxis ist ein ganz anderes Metier, dem vorherigen nicht im mindesten gleichzusetzen. Der Arzt ist selbstständig verantwortlich für das Fortbestehen seiner Praxis und entsprechend für das Wohlergehen seiner Patienten, die oft chronische Erkrankungen über Jahre erleiden. Wenn eine Schreinerei oder ein Restaurant schliesst, ist es wohl das kleinere Übel, als wenn Patienten, die jahrelanges Vertrauen in ihren Arzt setzten, plötzlich vor verschlossenen Praxistüren stehen müssten.
Im Jahr 2014 gab es weltweit 31 Kriege. Der Krieg in Syrien dauert nun schon seit drei Jahren. Die medizinische Versorgung im Land ist zusammengebrochen. Patienten werden mangels Narkosemitteln bewusstlos geschlagen. In Aleppo gibt es noch 36 Ärzte – statt der benötigten 2500. In syrischen Krankenhäusern herrschen drei Jahre nach Beginn des Aufstandes gegen Präsident Baschar al-Assad grauenhafte Zustände. In einem Bericht, den die internationale Hilfsorganisation Save the Children veröffentlichte, heisst es, in einigen Fällen seien Patienten mit Metallstangen vor Operationen bewusstlos geschlagen worden, weil die Ärzte keine Narkosemittel hatten. Mediziner amputierten Kindern Gliedmassen, weil ihnen die medizinische Ausrüstung für die Behandlung schwerer Verletzungen fehle. Neugeborene stürben in Brutkästen aufgrund von Stromausfällen.
Dies leisten Ärzte tagtäglich unter eigener Lebensgefahr. Vielleicht für uns Grund genug, dankbar zu sein, in einem sicheren Land zu leben und den nötigen Respekt für unseren, hiesigen Arzt wieder aufzubringen anstatt ihn kollektiv zu kriminalisieren.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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