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Leserbrief

Was haben Banker, Börsianer und Ärzte gemeinsam?

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz | 15. Juni 2015

Teil 1

Die Schweiz bezeichnet Liechtenstein oft als hochnäsig und arrogant. Liechtenstein ist für mich wie ein «Tal der Glückseligen» (SWR 4. 6. 2015) so vernimmt man oft von Einheimischen ohne verborgenen Stolz. Die Freie Liste stellte diese Woche im Landtag den Antrag, den Staatsbeitrag bei den Krankenkassenprämien um 9 Millionen Franken zu erhöhen. Die Chance einer dringend benötigten Erleichterung für den Mittelstand wurde abgelehnt. Die FL wollte die Mindestertragssteuer erhöhen und damit eine jahrelange, intensiv geführte Debatte um zusätzliche Steuereinnahmen von rund 20 Millionen Franken jährlich zu einem Ende bringen. Aber die Mindestertragssteuer bleibt tief. Die Sanierung des Staatshaushalts bleibt wegen des Bündnisses von FBP und DU tabu, wenn es die Treuhänderschaft betrifft. In der Diskussion um die Mindestertragssteuer war von den FBP und DU-Abgeordneten kein einziges Mal zu hören, dass der Staat dringend mehr Geld braucht. FBP und DU gleichen den Staatshaushalt lieber auf Kosten des Mittelstandes aus. Klar, man kann dies unter politischen Querelen abtun. Es kann aber auch sein, dass weit mehr dahintersteckt, nämlich die ganz klaren Präferenzen eines Landes, welches klar definiert, was im «Tal der Glückseligen» eben glückselig macht; nämlich Geld. Spätestens nach der Lehman Brothers Insolvenz und globaler Finanzkrise im Jahr 2008 verloren auch hier plötzlich Banker, Treuhänder, Börsianer ihren sogenannt angesehenen Status, jetzt waren sie potenziell kriminell. Kurze Zeit später begann der Tanz ums Goldene Kalb erneut. Eben – wieder nichts dazugelernt, Geldbusiness as usual. Also mussten neue Sündenböcke her und siehe da, sie kamen in Form von schwarzen Schafen! Es scheint ja schon einigermassen abwegig, dass der Berufsstand des Arztes, früher sogar «Gott in Weiss» plötzlich vom Sockel gestossen wird und respektlos von Politik bis hin zu einem Teil des Volkes zu einem schwarzen (kriminellen) Schaf mutiert. Diesen Stimmungswandel könnte ich auch psychologisch definieren. Abgeordnete und gleichgesinnte Bevölkerung, welche diesen Standpunkt ständig wiederholen, könnten unbewusst auch ihre eigene Arroganz, Unkorrektheit auf die schwarzen Schafe projizieren. Das Medizinstudium gehört zu den anspruchsvollsten und längsten Studien, umso mehr irritiert diese abschätzige Haltung, die sich in unserem Land breitmacht.


Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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