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Leserbrief

Bald Zweiklassenmedizin wie in unseren Nachbarländern, Teil 1

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz | 8. Juni 2015

OKP-Verträge

Ich lese, höre immer wieder vom Gesellschaftsminister, dass die sogenannte Billigmedizin durch die geplante Befristung der OKP-Verträge bei uns nicht stattfinden würde, obwohl die Ärztekammer da völlig anderer Ansicht ist. Und die müssten es am besten wissen, ist die Medizin doch ihr Metier. (Ich bin übrigens weder instrumentalisiert noch honoriert oder irgendwie verwandt oder verschwägert mit der Ärztekammer!) Sie können getrost annehmen, dass es nur meine Meinung ist und ich keine Lobbyistin bin. Der Minister will mit dieser Befristung die Ärzte aussortieren, die dem Spardruck der Politik und Kassen nicht nachgeben und ihre Patienten weiterhin nach neuesten medizinischen und ethischen Erkenntnissen behandeln. Der Landtag setzt hier andere Massstäbe. Für ihn wäre durch die Befristung höchstens die Bedarfsplanung besser zu regeln. («Polit Zeit»). Ärzte sind mir auch nicht heilig, wie mir dies unterstellt wurde, aber ich habe Respekt vor Medizinern, die jahrzehntelang studierten und ihr Wissen und ihre Empathie für den Menschen einsetzten. Ich kenne Ärzte/-innen, die (wer das Wort nicht mehr kennt, kann es «googeln») sich aufopfern für ihre Patienten und alles unternehmen, um ihnen zu helfen, auch wenn sie dafür ihre Praxiszeit überziehen. Bisher sind bei uns die Wartezeiten für einen Arzttermin im Gegensatz zum umliegenden Ausland minimal, ob Hausarzt oder Facharzt, und unsere Ärzte nehmen sich nicht nur drei Minuten Zeit für den Patienten. Trotz überfülltem Wartezimmer. Bei uns erlebe ich noch Ärzte, Ärztinnen, die Hausbesuche als Dienst am Patienten ansehen und diese noch nach Praxisschluss anhängen. Ich denke, es ist leicht nachvollziehbar, dass dies verschwinden würde bei Inkrafttreten der befristeten OKP-Verträge auf 4 bzw. 6 Jahre. Zeit kostet Geld, und genau dies soll ja gespart werden, wobei Zeit ein wesentlicher Faktor darstellt im Arzt-Patientenverhältnis. Zudem, welcher Arzt (schon gar kein Neuling) möchte sich auf so eine Rechtsunsicherheit einlassen, obwohl Liechtenstein 10 Hausärzte zu wenig hat und dieser Bedarf abgedeckt werden muss (Ärztekammer). Auch wir könnten zukünftig erleben, was es heisst, Zustände wie in Deutschland zu erleben, wo ein Patient 6 Monate auf einen Termin beim Kardiologen wartete. Jeder 5. Kassenpatient wartet länger als 5 Wochen auf einen Arzttermin. Privatpatienten warten nicht. Das nennt man dann Zweiklassenmedizin oder Billigmedizin («Focus»). In Österreich wartet der Kassenpatient 8–12 Wochen.

Ruth Schöb, Auring 57, Vaduz

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