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Leserbrief

Menschlichkeit grüsst, Teil eins

Ruth Schöb,Auring 57, Vaduz | 29. Mai 2015

Eurolöhne

Im Leserbrief von Herrn Jo Schädler vom 27. Mai 2015 schreibt er unter anderem, diejenigen, die bei der Ospelt AG nach höheren Löhnen schreien, sollen sich überlegen, wo das enden soll? Man liesse Leute zu uns, die nur einfache Tätigkeiten könnten und gleichzeitig verteufle man jene, die Arbeitsplätze erhalten und nicht wegrationalisieren. Dazu stelle ich folgendes fest; es gibt bei uns unzählige «niedrige» Arbeiten, die nie ein Liechtensteiner ausüben würde, selbst wenn er Analphabet wäre, was ja per se mehr oder weniger jedem Flüchtling unterstellt wird. Ob diese Menschen aus Syrien oder Afrika oder wo auch immer Krieg, Folter, Verfolgung herrscht, herkommen, berechtigt noch lange nicht, Niedrigstlöhne zu bezahlen. Diese Menschen mögen zum Teil ungebildet sein, ein Existenz sicherndes Einkommen steht ihnen aber hier zu, denn schliesslich wohnen und leben sie hier, bezahlen genauso ihre Steuern, Abgaben an AHV/IV, Pensionskasse wie jeder andere Bürger auch. Ganz abgesehen davon ist es Schwerstarbeit und kein Vergnügen, wenn Mann oder Frau den ganzen Tag, über acht Stunden stehend, eine Folie auf eine Verpackung legt, wie Herr Schädler despektierlich schreibt. Diese öde Schwerstarbeit soll erst mal einer tagein, tagaus nachmachen, bevor er sie kritisiert.
Andere Frage: Wie lange könnten unsere reichen Liechtensteiner in ihren Villen residieren ohne «Niedrigpersonal» wie Putzfrauen, Haushaltshilfen, Köchinnen, Nannys, Chauffeure? (Oft alles Ausländer, weil kein Liechtensteiner so einen Job machen will). Welches Bild würde Liechtenstein abgeben ohne regelmässige Müllabfuhr? (Die Müllmänner sind auch nicht akademisch gebildet). Es gäbe noch weit mehr Beispiele.
Ja, Herr Schädler vielleicht müssten wir endlich vom hohen Ross steigen, umdenken und wieder mehr Arbeitsplätze schaffen mit einem Gehalt, wovon auch wenig gebildete Menschen existieren können – ob nun Ausländer oder Liechtenstei-ner (Früher gab es mal Tankwarte, Messerschleifer, Autowascher, Schuhputzer etc.). Es ist ein Unding, immer weiter und weiter Arbeitskräfte wegzurationalisieren. Dadurch wird unsere Welt nicht menschlicher.
Sie haben Recht, Herr Schädler, wir werden diesen Flüchtlingen die Tore noch viel weiter öffnen müssen, ob wir wollen oder nicht, wie Sie schreiben. Sie wissen aber schon, dass niemand aus Syrien oder Afrika als «Tourist» oder aus Jux und Tollerei zu uns flüchtet. Diese Menschen werden in ihren Ländern brutalst gefoltert, vergewaltigt oder erschossen.

Ruth Schöb,
Auring 57, Vaduz

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