Leserbrief

Sehr geehrte Frau Schöb, Teil 1

Thomas Lageder, Landtags- abgeordneter der Freien Liste | 28. Mai 2015

KVG-Reform

Gerne skizziere ich Ihnen meine Vision, die im Übrigen in der Landtagssitzung vom Mai explizit von meinen Fraktionskollegen, den Herren Gerold Büchel, Wendelin Lampert und Manfred Kaufmann, sowie – man höre und staune – von Regierungsrat Mauro Pedrazzini geteilt wurde.
Übergeordnetes Ziel muss es sein, ein qualitativ gutes Gesundheitssystem für uns alle zu einem finanzierbaren Preis zur Verfügung zu stellen. Dabei erachte ich es als zentral, von einem marktgetriebenen System, das versucht, Mengen auszuweiten und Preise in die Höhe zu treiben, wegzukommen, denn das dient nur den Pharmafirmen und den Leistungserbringern. Dies kann dadurch bewerkstelligt werden, dass Ärzten der Antrieb genommen wird, immer mehr Behandlungen durchzuführen und mehr Medikamente abzugeben. Indem ein Arzt zu einem Lohn im Bereich eines Regierungsmitglieds (ohne Magistratenfonds) mit dem Staat eine Leistungsvereinbarung oder ein Anstellungsverhältnis eingeht, werden ökonomische Anreize zur Gewinnmaximierung ausgeschaltet. Dabei erhält dieser ansonsten keine Leistungen vergütet. Der sogenannten angebotsinduzierten Nachfrage kann so Einhalt geboten werden. Er kann so viele Medikamente abgeben, wie er für medizinisch richtig hält und er kann jede Behandlung durchführen, die er für nötig hält. Aber er hat dadurch keinen finanziellen Nutzen, die Versicherten und der Staat zahlen lediglich die Medikamente, aber keine Marge für den Arzt. Zusätzlich wird ihm für die ihm gehörende Praxis eine Entschädigung in der Höhe des Aufwands bezahlt, so dass er auch dort keinen Profit macht. Die Praxen bezahlen wir Versicherte heute ohnehin schon über unsere Prämien, das ist wohl klar. Es wird also auch dort sicher nicht teurer, eher günstiger und zweckmässiger. Im Vertrag mit dem Arzt wird vereinbart, welche Leistung dieser zu erbringen hat. Dies könnten z. B. 10 Stunden Arbeit an 5 Tagen in der Woche plus Notfalldienst sein. In Konsequenz würde dies auch zu einer Qualitätssteigerung führen, denn ich kann mir kaum vorstellen, dass ein Arzt nach 15 Stunden Arbeit noch die gleich guten Entscheidungen trifft, wie wenn er ausgeruht ist. Die Ärzte könnten so wieder das tun, wozu sie im Kern ausgebildet sind, nämlich Menschen heilen und nicht sich kaufmännisch betätigen. Zusätzlich wird eine Ombudsstelle eingesetzt, die die Leistungserbringer kontrolliert und Beschwerden entgegennimmt. Fehlbare Leistungserbringer werden getadelt und, falls nötig, in letzter Konsequenz wie jeder andere Arbeitnehmer entlassen.

Thomas Lageder, Landtags- abgeordneter der Freien Liste

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