Leserbrief

Kommunikations-Desaster S-Bahn

Ossi Öhri, Beim Schleifweg 1, Schaanwald | 31. März 2015


S-Bahn

Für den letzten Donnerstagabend hatte die VU noch mit Pauken und Trompeten für eine sogenannte «Informationsveranstaltung» zum Thema S-Bahn in der Zuschg, Schaanwald, geworben. Das Impulsreferat hätte die Verkehrsministerin halten sollen.
Anstatt dass die Öffentlichkeit an der zwischenzeitlich abgesagten Zuschg-Veranstaltung über die S-Bahn «informiert» wird, verlangt zwei Tage später («Vaterland», Samstagsausgabe) die VU-Fraktion von der «eigenen» Verkehrsministerin (man reibt sich die Augen!) Auskunft über den aktuellen Stand und die Chronologie des S-Bahn-Projekts. Da fragen sich die Bürger zu Recht, ob da die Rechte noch weiss, was die Linke tut.
Das von der Regierung eiligst angesetzte Sonder-Traktandum zur S-Bahn im Landtag soll nun dazu benützt werden, das ganze Fiasko, in das sich die euphorischen, übereiligen und auf beiden Augen blinden S-Bahn-Befürworter manövriert haben, in einem für sie möglichst günstigen Licht darzustellen. Das nennt man «Flucht nach vorne». Eine Diskussion wird im Landtag jedoch nur schwer möglich sein, denn die Abgeordneten sind bis jetzt nicht vollumfänglich informiert worden, insbesondere nicht über den angeblich im Jahr 2012 ausgehandelten Vertrag.
Allerdings ist klar, dass der an den Tag gelegte Dilettantismus kaum noch zu überbieten ist. Jeder, der schon Verträge ausgehandelt hat, weiss, dass der Teufel im Detail steckt und dass Details des Öfteren für das Scheitern von Verträgen verantwortlich sind. Ein Vertrag ist erst gültig, wenn er unterzeichnet ist. Zwei Jahre hatte die FBP/VU-Regierung Zeit, die angeblich von der Vorgängerregierung ausgehandelten Vertragsentwürfe zu prüfen und voranzutreiben. Hat sie aber nicht. Der österreichische Verkehrsminister Stöger hat dagegen seine Aufgabe gemacht und die Liechtensteiner am 21. März im «Vaterland» über den tatsächlichen Stand der Dinge aufgeklärt. Unsere Regierung fiel aus allen Wolken und schiebt nun die Schuld den Österreichern zu.
Aber es kommt ja noch dicker: Im Zusammenhang mit der im Jahr 2017 anstehenden Konzessionsverlängerung haben die Österreicher anklingen lassen, dass sie eventuell gar kein Interesse mehr an einer Verlängerung haben. Was das bedeuten könnte, davon haben die FBP/VU-Regierung und ihre Verkehrsministerin noch keinen blassen Schimmer. Die Ministerin hat deshalb bereits die Erstellung eines externen Gutachtens angekündigt, denn ohne externe Gutachten geht bei der Regierung gar nichts! Eigene Dossierkenntnisse? Fehlanzeige. Über die Entgleisung des von den schwarzroten Lokiführer(inne)n gesteuerten «S-Bähnli» braucht man sich also nicht weiter wundern.

Die DU-Fraktion: Peter Wachter, Herbert Elkuch, Pio Schurti, Erich Hasler, Harry Quaderer und Thomas Rehak.

Am kommenden Mittwoch soll im Landtag wieder mal über das Thema S-Bahn informiert und diskutiert werden. Meines Erachtens sind dabei nicht «nur» finanzielle, sondern auch andere Aspekte zu berücksichtigen. Ich möchte dies mit einem einfachen Beispiel darlegen: Mit der S-Bahn im 15-Minuten-Takt, dem Fern- und Güterverkehr ist in Schaan aufgrund der niveaugleichen Bahnübergänge das Verkehrschaos vorprogrammiert. Dafür brauchen wir, wie von Herrn Lageder im Interview angedroht, keine Tunnelspinne in Feldkirch. Wieder einmal lässt sich hier die Politik vor einen Karren spannen (VCL lässt grüssen) bei dem die Steuerzahler die Zeche bezahlen und die Einwohner dann die Suppe auslöffeln dürfen!


Ferdinand Büchel,
Schalunstrasse 35, Vaduz


Ich bin sauer! Aber so was von! Und mit mir wohl auch viele andere Menschen, die sich die vergangenen Jahre beruflich oder aus Interesse an der Sache mit dem Thema S-Bahn «FL–A–CH» beschäftigt haben. Es gibt sehr viele gute Gründe für dieses Projekt, und deshalb war ich gespannt, wie die Verantwortlichen diese Gründe dem Volk näherbringen werden. Was in den vergangenen Wochen in der Kommunikation ablief, war ein Trauerspiel sondergleichen. Eine Webseite mit einem netten Filmchen und Terminen, die bei näherem Hinsehen gar nicht für die «normalen» Einwohner sind, sondern Veranstaltungen für Gemeindeangestellte und Lunchanlässe für Kiwanis-, Rotary- und Lions-Club. Goht’s noch? Bezahlte Inserate, wobei dieser «Schwitzkasten» den Bürgern nur die Zornesröte ins Gesicht treibt. Man fragt sich, ob die Werber das Projekt an die Wand fahren wollen. Das Feld wurde den DU-Experten überlassen, die unwidersprochen verbreiten dürfen, das Projekt bringe gar nichts für Liechtenstein. Das sehen die, die sich intensiv mit dem Thema beschäftigt haben, wie alle Vorsteher der vorherigen Wahlperiode, die Industrie- und Handelskammer und auch das Fürstenhaus anders. Und nun hat auch die Politik in Österreich entdeckt, dass der Hauptnutzen dieses Bahnausbaus in Liechtenstein liegt, und eine neue Aufteilung der Kosten gefordert, was zum vorläufigen Stopp geführt hat. Ich sehe dies aber auch als Chance, diese Auszeit produktiv zu nutzen und aus gemachten Fehlern zu lernen. Zudem sollte bei einem Neustart dem Volk nicht nur das S-Bahn-Projekt, sondern zwingend auch eine Gesamtschau der in Zukunft noch anstehenden Massnahmen im Verkehrsbereich aufgezeigt werden – natürlich auch eine mögliche Weiterführung der Bahn in Richtung Vaduz. Eine Weiterführung wird hier aber viel mehr Planungszeit benötigen und ein Vielfaches der Kosten des jetzt vorliegenden Projektes verursachen.
Zu lange Zeit ist in Liechtenstein in Sachen Verkehr nichts Zukunftweisendes unternommen worden, und wenn wir weiter zuwarten, droht in wenigen Jahren ein Verkehrsinfarkt. Die S-Bahn «FL–A–CH» ist ein wichtiger erster Schritt in die richtige Richtung, und wird sich als Standortvorteil für Liechtenstein auch in wirtschaftlicher Hinsicht positiv auswirken. Nichts zu tun, und weiter ungebremst auf den Kollaps zuzusteuern, wäre die teuerste Lösung. Und diese Kernbotschaft sollte den Einwohnern eigentlich vermittelt werden.

Ossi Öhri,
Beim Schleifweg 1, Schaanwald

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