Leserbrief

Der Islam als politische Kraft – Auch ein Werk des Westens

Prof. Dr. Eva Rieger, Fürst-Johannes-Str. 1, Vaduz | 28. Februar 2015

Islam-Debatte

Sehr geehrter Herr Kollege Fischer, Ihr Leserbrief vom 26. Februar über das Buch von Herrn Schlapp verwundert mich. Sie kennen vermutlich nicht den vom Buch ausgelösten Skandal im Fernsehen, als ein Rechtsextremer es dankbar aufgriff, um seinen Hass auf den Islam zu untermauern. Auch werden Sie nicht die TV-Sendung vom 18. Januar gesehen haben, als eine Koranexpertin Schlapps Thesen als «Unsinn» bezeichnete. Und Sie kennen sicher auch nicht Herrn Schlapps jüngsten Leserbrief, in dem er auf die historisch begründete Kritik eines Lesers mit einer Fülle von Gewaltzitaten antwortete, als gäbe es sie nicht auch in der Bibel! Wenn man über den Koran schreibt, muss man das Vorhandene historisch kontextualisieren und nicht lediglich Zitate herauspicken. Diese aufgeheizten Zeiten brauchen Verständnis und Dialog, und nicht Leute, die ein angebliches Gewaltpotenzial beweisen wollen, wobei sie damit die Religion als Ganzes desavouieren und fundamentalistischen Christen wie dem rechtsnationalen Spektrum Futter bieten. Hier ein historisch zutreffendes Zitat aus dem «Spiegel» Nr. 7/2015: «Die westliche Welt hat die Araber das ganze 20. Jahrhundert über betrogen, gegeneinander ausgespielt und unterdrückt. Es hat alle ihre Versuche, zu einer modernen Form arabischer Staatlichkeit zu kommen, bekämpft oder verhindert, ob die demokratisch gewählte Regierung von Mossadegh in Iran, ob den arabischen Sozialismus Abd al Nassers. So ist das Aufkommen des Islam als politische Kraft auch das Werk des Westens.» Wäre es nicht sinnvoller, darüber mal zu diskutieren?
Warum kriege ich per E-Mail und telefonisch Zuspruch zu meiner Kritik, nicht aber öffentlich? Herrscht etwa Angst vor? Für mich ist die Debatte nun beendet – ich erwarte gelassen eine weitere erregte Replik des Autors, die nichts zum Thema beiträgt, sondern persönliche Angriffe enthält.

Prof. Dr. Eva Rieger, Fürst-Johannes-Str. 1, Vaduz

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