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Leserbrief

«Gnuag Platz för alli» – Kein Heilmittel?

Walter Meier,Städtle 4, Vaduz | 28. Februar 2015

«Gnuag Platz för alli»

Das Projekt «Gnuag Platz för alli» ist eine Investition in das gesellschaftliche und kulturelle Leben in Vaduz. Es bietet zudem die Chance, die Nahversorgung zu stärken und allgemein neuen Schwung ins Städtle zu bringen. Wir stehen hinter dem Projekt – auch wenn wir einzelnen Aspekten kritisch gegenüberstehen und uns die geplante Anzahl Parkplätze überdimensioniert erscheint und auch wenn noch nicht alle Mieter und Nutzer bekannt sind und nicht alles verteilt ist. Wenn wir auf ein Projekt warten wollen, das in allen Einzelheiten alle Stimmbürgerinnen und Stimmbürger überzeugt, können wir lange warten. Und wir können nicht für die Ewigkeit planen. Es gilt ein Projekt zu realisieren, das Flexibilität, Potential zur Entwicklung bietet und das den Einwohnerinnen und Einwohnern Innen- und Aussenräume eröffnet, ihre Geschäftsideen und Projekte zu verwirklichen und Veranstaltungen im Vaduzer Zentrum durchzuführen. Wir möchten diese Chance nutzen und jetzt in die Entwicklung des Dorfkerns investieren.

René Hasler, Mitteldorf 29, Hannes Schatzmann-Krättli, Landstrasse 96, Richard Brunhart, Spaniagasse 16 (alle Vaduz)

Die 400 Meter lange und eigentlich zu schmal geratene Vaduzer Fussgängerzone ist inzwischen weit herum zum Lehrstück geworden, wie man es nicht machen sollte. Nach anfänglicher Euphorie stellte sich bald einmal Ernüchterung ein. Verloren gegangene Attraktivität suchte die Gemeinde nun schon seit Jahren mit Heil versprechender Eventpolitik zurückzuholen. Das einst bekannte Label «Hoi Vadoz», hinter dem Vaduzer Unternehmer noch persönlich standen, wurde durch gemeindeeigene Labels «event vaduz», «Treffpunkt Vaduz» und zuletzt «erlebe» abgelöst. Es ging jeweils Schlag auf Schlag. Die Grünflache beim Rathaus, die Blumenbepflanzung und der Grafschaftsbrunnen mussten Events Platz machen. Veranstaltungen aller Art wurden in den vergangenen 15 Jahren ins Städtle gebeten. Alle mit dem Ziel, die vereinsamte Fussgängerzone mit reichlich Steuer- und Sponsorengeldern zu «beleben». Resultat: Das Vaduzer Städtle ist inzwischen zur Veranstaltungsbühne, mit Dauerbeschäftigung für die Gemeinde, mutiert. Das Rathaus selbst diente gelegentlich gar als Umkleide und Wettkampfbüro. Für Wochen verschwindet dieses repräsentative Gebäude hinter Zelt-, Tribünen- oder anderen Aufbauten. In den touristisch wichtigen Sommermonaten verkommt der Rathausplatz zur Dauerbaustelle. Vorwiegend Event-Firmen, die wie Pilze aus dem Boden schossen, sind die grossen Nutznies-ser des verkehrsfreien Städtle ge-worden. Auch Kunst, die im Sommer oft respektlos von allerlei Mobiliar verstellt wird, wurde als Highlight zur Belebung eingesetzt. Das Tüpfchen auf dem i ist hier die sich direkt vor dem Rathausportal aufbäumende Pferdeskulptur von Nag Arnoldi, mit den sich dazugesellenden Stableuchten. Wenigstens hat man inzwischen der Büste von Fürst Franz Josef diesen Anblick erspart. Nun, was hat das bisher im verkehrsfreien Städtle bewirkt und der Vaduzer Bevölkerung gebracht? Unter dem Strich und nüchtern betrachtet viel zu wenig. Eine echte Identifikation mit dem Zentrum ist bisher ausgeblieben. Das ortsansässige Gewerbe im Städtle hat spür- und sichtbar gelitten. Zumindest dem Reisetourismus bietet das Städtle im Sommer einen verkehrsfreien Aufenthaltsraum und eine bescheidene WC-Anlage – und manchmal etwas Spektakel. Lärm und Dreck aber ist der Gemeinde auf jeden Fall immer sicher! Jetzt aber möchte die Gemeindeadministration, ohne umfassende Situationsanalyse, mit dem Segen der Stimmbürger und Stimmbürgerinnen, im Endeffekt ca. 90 Millionen Franken ins Vaduzer Zentrum investieren, um die zahlreichen, hinsichtlich Nachhaltigkeit erfolglos gebliebenen «Belebungsaktivitäten» der vergangenen 15 Jahre dauerhaft in Zement zu giessen. Sind diese alten Hüte in neuer Verpackung wirklich das Heilmittel für unsere Fussgängerzone? Für meine Begriffe ist das keine Vision für, sondern ein Blindflug in die Zukunft.

Walter Meier,
Städtle 4, Vaduz

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