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Leserbrief

Himmel auf Erden

Sr. Alma Pia, ASC,Kloster St. Elisabeth, Schaan | 27. Dezember 2014

Glaube

In diesen Tagen vor Neujahr hören wir den Wunsch für «’n guata Rotsch». Auch ich wünsche ihn allen, die diese Zeilen lesen – aber in der ursprünglichen Bedeutung des Wortes. Denn ein Rutsch auf einem vereisten oder anderswie glatten Weg verunsichert. Ich bin vor Jahren bei einer Bergwanderung auf einem dürren Grasabhang ausgerutscht und habe mir dabei den Arm gebrochen.
Wenn wir den Ursprung dieser Redewendung kennen, merken wir, dass sie nichts mit einem Rutsch zu tun hat. Sie stammt aus dem Jiddischen; das war die Umgangssprache besonders der osteuropäischen Juden und ist heute vor allem in Amerika und in Israel unter älteren Juden noch gebräuchlich. Der Neujahrswunsch «’n guata Rotsch» knüpft an den jiddischen, ähnlich klingenden Neujahrswunsch an und geht auf das hebräische «rosch» zurück. «Rosch» heisst «Anfang». Einander «’n guata Rotsch» wünschen, heisst dann nichts anderes, als «einen guten Anfang» wünschen.
Ähnlich verhält es sich mit dem Wunsch «Hals- und Beinbruch», den man in anderem Zusammenhang hört und wörtlich genommen auch nicht gerade wohlwollend klingt. Er ist ebenfalls aus dem Jiddischen abzuleiten, als witzig-paradoxe Verballhornung von «hazlachah ubracha», was «Glück und Segen» bedeutet. In diesem Sinne dürfen wir zum Beginn des Jahres 2015 getrost beides wünschen: «einen guten Rutsch» und «Hals- und Beinbruch» – einen guten Anfang sowie Glück und Segen. Beides sind Wünsche, die bei uns erst in den letzten Jahrzehnten vermutlich durch die Medien gängig geworden sind.
«Rosch» hat mit Gott, dem Schöpfer, zu tun. «Rosch» steckt im ersten Wort der hebräischen Bibel: «be-rosch-it» – «am Anfang» schuf Gott Himmel und Erde. Davon können wir den guten und wichtigen Gedanken ableiten, dass aller Anfang bei Gott liegt, wie der bekannte Dichter Eduard Mörike (1804–1875) eindrücklich geschrieben hat:

In ihm sei’s begonnen,
der Monde und Sonnen
an blauen Gezelten
des Himmels bewegt.
Du, Vater, Du rate!
Lenke Du und wende!
Herr, Dir in die Hände
sei Anfang und Ende,
sei alles gelegt!

Franz Näscher, Pfr. i. R.,
Kirchagässle 14, Bendern

Weihnachten ist vorbei. Das Fest erinnert uns an «dieses Geschenk vom Himmel, damit wir mit neuem Mut weiterbauen an unserem Lebenshaus: mit dem Himmel als Dach, mit Wänden aus Liebe; mit Räumen voll grünender Hoffnung und einem Fundament aus Vertrauen». Dieser Weihnachtsgedanke, der keinen Autor verriet, hat mich sehr tief beeindruckt. Er könnte auch von unserem Papst Franziskus stammen, der uns in seinem ersten «Apostolischen Rundschreiben Freude des Evangeliums» so entschlossen konkrete Anweisungen für das tägliche Leben in Familie, Kirche, Politik und Wirtschaft gibt.
Sein Vorbild ist Jesus, der Sohn Gottes, der Mensch geworden ist und uns 30 Jahre lang ganz konkret vorgelebt hat, wie Gott sich sein Ebenbild Mensch «gedacht» hat, als er ihm den Lebensatem einhauchte. Daran dachte wohl – ich glaube, es war der frühere Bischof Kamphaus von Limburg – mit seiner Aufforderung: Mach es wie Gott, werde Mensch! Dieser Gottmensch hat kein Kirchenrecht verfasst, ja kein geschriebenes Wort hinterlassen, nur das Beispiel seines Lebens von der Krippe bis zum Kreuz. Mehr als einmal hat er seinen Jüngern gesagt: Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr tut, wie ich euch getan habe. Am eindrücklichsten tat er das kurz vor seinem Leiden, Sterben und seiner Auferstehung, indem er den Jüngern die Füsse gewaschen hat. Und mehr als einmal mahnte er: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Diese Liebe wären die schützenden «Wände» unseres Familien-, Kirchen- und Wirtschaftslebens, damit die Hoffnung auf dem «Fundament» des Vertrauens für alle «grünen» kann.
Frohe, gesegnete Weihnachtswoche allen im gemeinsamen Haus unseres Planeten Erde!

Sr. Alma Pia, ASC,
Kloster St. Elisabeth, Schaan

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