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Leserbrief

«Papst und Fürst»

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 27. November 2014

Das Interview von Günther Fritz mit dem Landesfürsten zu seinem 25. Thronjubiläum behandelt einprägsam die Frage nach Liechtenstein als einem urwüchsig katholischen Staat, der mit dem Vatikan über ein Konkordat verhandelt, um das Verhältnis zwischen Staat und Religion neu zu regeln, während die Gemeinden Gespräche über das Vermögen der Lokalkirchen weiterführen. Der neue Papst, der eine weltweite Umwälzung unseres Glaubens vollbringt, bleibt allerdings bezüglich seiner Einstellung zum Fürstentum eine unbekannte Grösse. Pius XII. war Taufpate des Fürsten, Johannes Paul II. besuchte ihn im Schloss, Benedikt XVI. zeichnete die fürstliche Familie mit dem Privileg einer Privataudienz aus und Franziskus noch nichts.
Ich kenne Jorge Bergoglio SJ, jetzt Papst Franziskus, sehr gut. Wir arbeiteten während der schlimmsten Zeiten der Militärdiktatur Schulter an Schulter tagtäglich zusammen, um Menschen zu retten, und nur Gott half uns, mehr zu erreichen, als wir erwarteten, ohne selbst als Opfer zu fallen. Jorge traute unsere Ehe und taufte meinen Sohn Fernando vor dem Schrein Ignatius, unmittelbar bevor wir alle die Heimat verlassen mussten. Religiöse, philosophische, juristisch-wissenschaftliche und politische Weltanschauungen teilen wir vollkommen, wie unsere Werke offenbaren. Dies gilt auch besonders für die «Liechtensteinische Verfassungslehre,» das erste und bis jetzt das einzige Lehrbuch von der neuen Verfassung, die sich das Volk Liechtensteins März 2003 selbst gab und rechtswissenschaftlich als die demokratischste überhaupt qualifiziert. Selbstverständlich wird dabei das Thema des Verhältnisses zwischen Staat und Kirche behandelt.
Deshalb wage ich zu sagen, dass, wenn sich der Papst und der Landesfürst treffen, werden sie sich bestens verstehen, weil beide ein Bekenntnis zur direkten Demokratie gemeinsam teilen. Deshalb verzichtete Papst Franziskus auf die Unfehlbarkeit und der Landesfürst auf sein letztes Wort bei allen Staatsentscheidungen. Deshalb ist heute die Kirche das Volk Gottes und deshalb hat das Volk hier das letzte Wort jederzeit in allen Entscheidungen.
Art. 8 LV lautet: «Der Landesfürst vertritt ... den Staat in allen seinen Verhältnissen gegen auswärtige Staaten.» Ich bin zutiefst überzeugt, dass, wenn sich der Papst und der Landesfürst treffen, beide die Antworten auf die Konkordatsfrage und auf ein neues Religionsgesetz finden werden. Wenn ich etwas in diesem Sinn helfen kann, biete ich gern selbstverständlich uneigennützig und vorbehaltlos meinen Beistand an.

Víctor Arévalo, Univ.-Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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