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Leserbrief

Physiotherapeut Lins

Michael Lins, StandesvertreterPhysiotherapeuten-VerbandFürstentum Liechtenstein (PVFL) | 27. November 2014

Lieber Herr Berger,
besten Dank für Ihre Resonanz vom Dienstag zu meinem Artikel im «Vaterland» vom 22. November 2014. Ich unterstütze Ihr Votum: Ich gratuliere unserem Gesundheitsminister Pedrazzini zum Mut, die unangenehme Aufgabe anzugehen, dringend nötige Reformen im Gesundheitswesen einzuleiten. Ob die angedachten Massnahmen vom Aufwand her in einer enkeltauglichen Version enden, ist zu hinterfragen. Den Kosten- und daraus resultierenden Leidensdruck für alle Systembeteiligten zu steigern, wird wohl kaum dazu führen, eine langfristige Finanzierbarkeit der Grundversorgung zu sichern. Wir stehen vor nie erlebten demografischen Umwälzungen. Unter solchen u. a. Gesichtspunkten mache ich mir auch über die künftige Ausfinanzierung der Sozialwerke Gedanken. Von wegen weltfremd und masslos, meine Reputation ist unbestechlich.
Wenn Sie denken, dass meine Berufsgruppe der Physiotherapeuten zu den finanziell Privilegierten (!) in diesem Land gehört, täuschen Sie sich und sehen wohl die Wirklichkeit unserer Einkommensverhältnisse nicht. Wenn wir als Leistungserbringer fast 25 Prozent unseres Umsatzes aufgrund der Sparmassnahmen verlieren, dann wird wirklich billigend in Kauf genommen, dass wir inskünftig zu den Unterprivilegierten gehören sollen. Werden nach einem gewissen Zeitraum die planwirtschaftlichen Prognosen in der Gesundheitsversorgung überschritten, gehen wieder unsere Preise runter? Wie viel mal und bis zu welchem Wert? Wir haben das Recht, genauso wie Sie als Unternehmer, für eine sachgerechte und faire Entschädigung einzustehen. Bei einer solch dramatischen Einkommenseinbusse habe ich wirklich ernsthafte Befürchtungen um das Wohlergehen meines Standes in diesem Land. Im Grunde haben wir beide die gleichen Probleme als Familienväter und Arbeitgeber: Wie wird es uns inskünftig aufgrund der stets steigenden Gebühren und Abgaben und im Rahmen der kontinuierlichen Sparmassnahmen ergehen? Sie sollten meine persönlichen Befürchtungen nicht als Fehler der anderen Seite (?) abkanzeln. Beruhigend wäre für mich in dieser Situation zu erfahren, wie dabei die Vision der Parteien zur Wahrung der Mittelschicht aussieht.
Sinnvollerweise sollte man endlich den scheuen Versuch unternehmen, die Risse des (seit den 1970er-Jahren bestehenden) KVG nicht ständig mit taktischen Zuckerbollen und Pfefferschoten zu flicken. Vielleicht wäre es unseren Nachkommen geschuldet, dass die Exponenten einen gemeinsamen Thinktank aufstellen und wir uns nicht gegenseitig wegen kurzfristigen Leistungsnachweisen verheizen. Lassen wir uns bloss nicht ständig von den aktuellen Sachzwängen auffressen, bleiben wir solidarisch und werden nicht polemisch.
Nutzen wir die Kleinheit dieses Landes als Chance?
Sie haben überdies recht, mein salbungsvoller Formulierungsstil nervt oft auch mein familiäres Umfeld. Man möge mir diesen persönlichen Wesenszug verzeihen.


Michael Lins, Standesvertreter
Physiotherapeuten-Verband
Fürstentum Liechtenstein (PVFL)

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