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Leserbrief

Ärztekammer unterstellt Mechanikern Doppelverdienst

Herbert Elkuch, Mechaniker undDU-Landtagsabgeordneter | 30. Oktober 2014

Die Ärztekammer verunglimpft in der letzten Samstagausgabe der Landeszeitungen den Berufsstand der Mechaniker. Die Ärztekammer unterstellt den Mechanikern, sie würden so wie die Ärzte ihre Arbeitszeit doppelt verrechnen. Dazu ist zu sagen, die meisten Mechaniker sind irgendwo in der Industrie beschäftigt. Geleistete Zusatzarbeiten, zum Beispiel parallel während der Laufzeit einer CNC-Bearbeitung erbracht, werden nicht zusätzlich ausbezahlt. Die Ärzte hingegen rechnen laut der Ärztekammer pa-rallel ausgeführte Arbeiten einzeln ab, was zusätzlich abrechenbare Stunden erzeugt. Ein solches Vorgehen würde jedem Mechaniker einen blauen Brief bescheren.
Die Mechaniker würden Reifen wechseln und gleichzeitig Öl ablassen, schreibt die Ärztekammer. Zur Klarstellung, Mechaniker sind für die Entwicklung von Autos und für den Bau von Produktionsanlagen zuständig, sicher nicht für den Reifen- und Ölwechsel. Autoservice ist Sache des/der Automobil-Mechatronikers/in oder des/der Automobil-Fachmannes/frau (vormals Auto-mechaniker). Mechaniker entwickeln und fertigen Werkzeuge, Geräteteile, Apparate, Maschinen und Anlagen für alle Berufszweige, auch für Ärzte und Spitäler. Hüftgelenk-Implantate zum Beispiel stellt der Mechaniker her. Sie programmieren und bedienen Maschinen, überwachen die Produktion, nehmen Anlagen in Betrieb und warten diese. Der Mechaniker-Beruf konnte bis 1996 erlernt werden. Der Nachfolgeberuf: Polymechaniker.
Die Ärztekammer bestätigt im erwähnten Artikel, dass wenn die Arbeitszeiten der verrechneten «übereinander gestapelten Leistungen» eines Arztes aneinandergekettet und dann zusammengezählt werden, dies pro Jahr bis über 4000 Arbeitsstunden, in einzelnen Fällen gemäss Regierung sogar bis zu 8000 Arbeitsstunden ergeben kann. Die Stundensätze sind mir nicht bekannt. So etwas kann doch nur mit staatlicher Rückendeckung ablaufen, in der Privatwirtschaft wäre Schluss mit Aufträgen. Mechaniker kommen bei einer Vollzeitanstellung auf circa 2000 Stunden!
«Eine Reduktion der verrechneten Mengen wiederum zielt direkt auf die Behandlungsqualität am Pati-enten», steht im gleichen Beitrag der Ärztekammer. Die Qualität ist demnach gemäss Ärztekammer nur garantiert, wenn der Arzt mehr Zeit verrechnen kann, als er aufgewendet hat. Ob das heisst, dass Geld an erster, der Patient an zweiter Stelle kommt, lasse ich den Leser beurteilen!

Herbert Elkuch, Mechaniker und
DU-Landtagsabgeordneter

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