Leserbrief

Wenn man die Wahrheit sagt …

Urs Kindle,Binzastrasse 51, Mauren | 28. Oktober 2014

Seit Anfang August war ich bei der Gemeinde Ruggell als Mesmer angestellt. Am vergangenen Donnerstag wurde mir gekündigt. Weil ich nicht bereit war, künftig auf das Schreiben von Leserbriefen zu verzichten.
Eigentlich wollte ich mich bezüglich dieser Kündigung nicht öffentlich äussern bzw. die Leserschaft nicht mit dieser meiner persönlichen, bitteren Erfahrung langweilen. Doch als Mesmer war ich eine öffentliche Person – und so macht es meines Erachtens Sinn, dass ich hiermit diesbezüglich das (Kirchen-)Volk gewisse Tatsachen wissen lasse. Warum? Damit keine (falschen) Vermutungen hinsichtlich meiner Kündigung als Mesmer kursieren.
Hintergrund: Trotz meiner Anstellung als Mesmer schrieb ich weiterhin Leserbriefe (so am 9. September und am 14. Oktober). Dies führte zu Unmut aufseiten meines Arbeitgebers (Gemeinde). Am 13. Oktober 2014 richtete ich daher per E-Mail einen freundlichen Brief an die Verantwortlichen der Gemeinde Ruggell. Wörtlich schrieb ich: «Sollte ich von Ihnen gebeten werden, keine Leserbriefe mehr zu schreiben, so würde ich Ihrer Bitte leider nicht nachkommen können – ich bitte um Verständnis. Im Falle eines Leserbriefverbots von Ihrer Seite würde es Sinn machen, dass Sie mir kündigen würden – was ich mir freilich nicht wünsche.»
Ich wollte die Anstellung behalten, so schrieb ich im genannten Brief weiter: «Bitte verstehen Sie mich richtig: Gerne möchte ich weiterhin für die Gemeinde Ruggell als Mesmer tätig sein – ich habe bisher einen sehr guten Eindruck von der Tätigkeit bzw. vom Umfeld. Sollte ich jedoch aufgrund dieser Anstellung auf das Recht freier Meinungsäusserung – etwa via Leserbriefe – verzichten müssen, so würde meines Erachtens eine Zusammenarbeit nicht weiter Sinn machen.»
In der Folge kam es am 21. Oktober zu einem offiziellen Gespräch zwischen dem Herrn Pfarrer, dem Arbeitgeber (Gemeinde) und mir; einziges Thema: meine Einstellung bezüglich Leserbriefveröffentlichung. Ich bestätigte dabei meine Sicht der Dinge: Meine Meinungsfreiheit, d. h., die Möglichkeit, Leserbriefe zu veröffentlichen, wolle ich nicht aufgeben. Zwei Tage später wurde mir deshalb gekündigt.
Ich akzeptiere diesen sehr bitteren Entscheid und werde nicht Berufung einlegen. Einstellungen sind halt unterschiedlich auf dieser Welt. Es sei hier betont, dass die an dieser Sache Beteiligten sich mir gegenüber stets freundlich verhielten. Ich bleibe ihnen wohlgesinnt. Auch von Herrn Pfarrer Jäger kann ich nur Gutes sagen. Herzliche Grüsse an die von mir liebgewonnene Gemeinde Ruggell,

Urs Kindle,
Binzastrasse 51, Mauren

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