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Leserbrief

Ich sag jetzt auch mal was dazu

Norman Wille,Festspielstrasse 18, Eschen | 25. September 2014

Und zwar zur geplanten Revision des KVG. Der liechtensteinische Gesellschaftsminister, Mauro Pedrazzini, notabene mein Nachbar, schlägt unter anderem vor, die Befreiung von der Kostenbeteiligung für chronisch Kranke aufzuheben. Minister Pedrazzini wird auch nicht müde, diesen Schritt an allen möglichen Informationsveranstaltungen zu rechtfertigen. Dabei gehen mir verschiedene Aspekte vollständig unter, sodass ich mich veranlasst sehe, sie hier klar zu stellen. Es ist vorgesehen, die Eigenverantwortlichkeit für die Arztbesuche zu erhöhen. Ganz einfach gesagt kann man sagen, wer öfter zum Arzt geht, der soll auch mehr Kostenbeteiligung zahlen. Das ist in Ordnung. Für ansonsten gesunde Menschen. Ganz anders sieht der Schuh aus, wenn jemand chronisch krank ist (also dauerhaft und ohne realistische Aussicht auf Heilung). Hier fällt die mitunter maximale Kostenbeteiligung von 1400 Franken nicht nur ein Mal im Jahr (das kann ja vorkommen) an, sondern es ist anzunehmen, dass sich dieser Betrag bis zum Lebensende, Jahr für Jahr, wiederholt. Das kann bei einem Menschen, der heute 40 ist, bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75 Jahren in der Summe rund 50 000 Franken ausmachen. Wollen wir das wirklich? Es wird in der Debatte viel theortisiert.
Ich selber bin kein Theoretiker. Aufgrund eines nur in unserer Familie vorkommenden Gendefektes sind meine anfänglich völlig gesunden Nieren im Verlauf der Jahre vollständig zerstört worden. Ich bin heute gut 50 und seit einem halben Jahr auf die Dialyse, also die künstliche Niere, angewiesen. Seit Kurzem bin ich auf der Warteliste für ein Spenderorgan. Völlig gesund zu sein, wird für mich bis ans Lebensende ein ferner Traum bleiben. Es ist mir nicht möglich, ohne Risiken für Leib und Leben, meine Arztbesuche zu steuern, um so die Kostenbeteiligung zu beeinflussen.
Herr Gesellschaftsminister, lieber Nachbar Mauro: Auf dem Buckel von chronisch Kranken sparen zu wollen, das ist definitiv der falsche Weg. Macht ihr mir und meinen Leidensgenossinnen und -genossen das Leben nicht unnötig schwerer durch eine Kostenbeteiligung, die über die Jahre gewaltig ins Geld gehen wird. Damit ist uns schon sehr geholfen. Es wäre schön, wenn mein Leserbrief auch andere chronisch Kranke dazu ermuntern könnte, ebenfalls offen zu diesem Thema Stellung zu nehmen.

Norman Wille,
Festspielstrasse 18, Eschen

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