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Leserbrief

Die Katholiken, die nach einer Ehescheidung wieder heiraten, und die Kommunion

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,Auring 56, Vaduz | 30. Mai 2017

«Amoris laetitia»

Besteht der Konflikt zwischen dem Papst und dem Kardinal Raymond Burke darin, dass der Papst in «Amoris laetitia», dem apostolischen Schreiben vom 19. März 2016, anweist, die Priester müssten den Katholiken, die nach einer Ehescheidung wieder heiraten, die Kommunion erlauben? Wohl kaum!
Beim Dissens handelt es sich nur um eine der vielen Gefechtsberührungen eines Streits, dessen Grund nicht in der Theologie, der Philosophie oder der Politik liegt, wenn wir Politik als das Zielsetzen für einen Staat verstehen. Dieser Streit betrifft vielmehr als alle Kriege das Politische, den Unterschied zwischen Freund und Feind. Deshalb wird «Amoris laetitia» so behutsam formuliert, dass der Theologe oder der Jurist, der es angreift, zum Opfer der eigenen Argumente wird, wenn er keinen Freimut wagt.
So ergab es sich, dass R. Burke und seine drei Kollegen – die Kardinäle Brandmüller, Caffara und Meissner – vier «dubia», Erklärungsbitten, gegen «Amoris laetitia» an den Papst richteten. Da der Papst diese nicht beantwortete, machten die Kardinäle ihre Beschwerde öffentlich. R. Burke und seine Mitläufer waren zwar klug genug, «Amoris laetitia» zu verstehen, aber nicht, um effizient dagegen zu handeln. Entweder hätten sie unmissverständlich ihren Einspruch gegen die Kommunion für die Geschiedenen, die wieder heiraten, erheben oder einfach darüber schweigen müssen. Damit hätten die Kardinäle Freimut, Parrhesie und Wahrhaftigkeit bewiesen. Sie hätten wissen müssen, wie schwer ein Fehltritt sich rächt, wenn es um das Politische geht: Kardinal William Tobin von New Jersey warf seinen Amtsbrüdern Häresie vor.
Kurienerzbischof Pio Vinto Pinto, Dekan des Ehegerichts der Kirche, bezeichnete die Bekanntgabe der «dubia» als Untat und betonte, der Papst könne ohnehin den Abtrünnigen die Kardinalwürde entziehen.
Kardinal Ludwig Müller, von Benedikt XVI. als oberster Glaubenshüter des Vatikans eingesetzt und theologisch ein Widersacher des jetzigen Papstes, schärfte in einem Sonderinterview ein: «Amoris laetitia ist sehr klar in ihrer Doktrin.» Damit entblösste er die Verfasser der «dubia» als Heuchler, die vorspiegelten, den Text nicht verstanden zu haben, um den Papst in Verlegenheit zu bringen und ein Schisma voranzutreiben.
Was bedeutet «Amoris laetitia» für die Katholiken, die wieder heiraten?
Diese dürfen die Kommunion empfangen. Selbstverständlich dürfen auch die Priester solchen Gläubigen die Sakramente verleihen. Selten wissen die Priester in einer Grossstadt jedoch, ob sie dabei sind, Wiederverheirateten die Hostie zu überreichen.

Víctor Arévalo, Univ. Prof. Dr. iur.,
Auring 56, Vaduz

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