Leserbrief

Der schlafende Riese wird geweckt

Max Matt,im Moosacker 28, Altstätten | 27. April 2017

Rheinaufweitungen

Die meisten Menschen freuen sich an der schönen Rheingestaltung, wie sie sie in Zeitungen und sogar im Internet mit dem Rhesi-Projekt von Oberriet bis zum Bodensee zu sehen bekommen.
Werden dazu auch Fragen gestellt? Warum wurde der Rhein von Werdenberg bis Oberriet reguliert und warum wurde der untere Teil des Rheines bis zum Bodensee mit Innenwuhren eingeengt? Bei jedem Hochwasser von Werdenberg bis zum Bodensee wurden weite Teile des Tales überschwemmt. Gewaltige Schotterbänke wurden bei jedem Hochwasser bald nach dem schweizerischen, bald nach dem vorarlbergischen und Liechtensteiner Ufer angeschwemmt. Sie füllten die seichte, aber breite Wasserrinne aus und verursachten dadurch den Austritt der Fluten aus dem Flussbett auf das umliegende Gelände.
Trotz des Fussacher und Diepoldsauer Durchstichs kam es nach 1923 zur Sohlenerhebung, namentlich in Diepoldsau. Aufgrund des zu geringen Gefälles und ungenügender Schleppkraft wurden von Oberriet bis zum Bodensee Innenwuhre erstellt. Der damalige Obering. H. Bertschinger schrieb zum 50-Jahr-Jubiläum des Rheinverbandes 1967: «Die von der Natur gegebene geologische Entwicklung, mit der Tendenz einer sich stets hebenden Rheinsohle, schreitet aber langsam und unerbittlich vorwärts und wird niemals durch menschliche Mass-nahmen dauernd aufgehalten werden können. Doch der Kampf mit dem Rhein wird nie abbrechen.»
Ob die Rhesi-Planer und die naturnahen Umweltverbände das ganze Wissen der Vorgänger in ihren Überlegungen einbeziehen, ist nach dem heutigen Informationsstand zu bezweifeln. Sie machen mit der Demontage der Innenwuhre weiter, als seien Gefahren keine Realität, als wären die Innenwuhre für nichts dagewesen. Wer an den Innenwuhren Hand anlegt, der weckt einen schlafenden Riesen.
Ist es nicht so?

Max Matt,
im Moosacker 28, Altstätten

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