Leserbrief

DU bietet keine Alternative

Paul Vogt,Palduinstrasse 74, Balzers | 31. Januar 2017

Landtagswahlen 2017

Einer der wichtigsten Programmpunkte von DU ist der Kampf gegen die S-Bahn «FL–A–CH». Viele werden sich noch an die Karikatur im «Hoi Du» erinnern: Da wurde das Bahngleis aufgerollt und durch eine Strasse ersetzt. Manche fanden die DU-Vision lustig, noch mehr hielten sie für Unsinn. Die Regierung hat immerhin ausgerechnet, was es kosten würde, die Bahn durch eine Strasse zu ersetzen: 120 Millionen und drei Millionen Folgekosten pro Jahr. Ohne die notwendigen Anschlussbauten an das Strassennetz.
Welche Vorschläge macht DU sonst noch zur Behebung des wachsenden Verkehrsproblems? Die Regierung soll dafür sorgen, dass nördlich von Feldkirch eine Autobahnspange zwischen der österreichischen und schweizerischen Autobahn gebaut wird. Um diese Idee der österreichischen Regierung schmackhaft zu machen, soll sich Liechtenstein finanziell an den Baukosten beteiligen. Kostenpunkt: rund 25 Millionen pro Kilometer Autobahn. Typisch Liechtenstein: Liechtensteinische Probleme sollen die Nachbarn lösen, wir bezahlen dafür. Absurderweise soll also einerseits Geld bei der Erneuerung der Bahninfrastruktur in Liechtenstein gespart werden und andererseits Geld in den Strassenbau im Ausland investiert werden.
Eine Autobahnspange nördlich von Feldkirch kann das liechtensteinische Verkehrsproblem nicht lösen. Der überwiegende Teil des Verkehrs in Liechtenstein ist Ziel- und Quellverkehr, d. h. hausgemacht. Es sind mehrheitlich Pendler, die die Stras-sen verstopfen.
Die Fachleute sind sich einige, dass nur eine Verkehrsverlagerung vom motorisierten Individualverkehr zum öffentlichen Verkehr eine nachhaltige Besserung bringt. Die stras-senbaulichen Massnahmen in Bendern, Schaan und Vaduz haben viel Geld gekostet. Es zeigt sich aber, dass die Situation damit nur kurzfristig verbessert wird, die morgendlichen und abendlichen Staus blieben und werden mit der erwarteten Zunahme des Strassenverkehrs weiter zunehmen. Für eine Verkehrsverlagerung braucht es grosse Anstrengungen und den entschiedenen politischen Willen zum betrieblichen Mobilitätsmanagement. Die Leiterin des Agglomerationsprogramms des Kantons St. Gallen, Alma Sartoris, hat es in einem «Liewo»-Interview auf den Punkt gebracht: «Nur mit der Realisierung der S-Bahn kann ein Quantensprung in der Qualität des öffentlichen Verkehrs erreicht werden. Erst mit dieser Bahn wird der öffentliche Verkehr gegenüber den Strassenverbindungen für die grenzüberschreitenden Pendlerstrecken zwischen Vorarlberg und Liechtenstein zeitlich im Vorteil sein. Kommt die Bahn nicht, muss man weiterhin mit Bus-sen fahren, die im Stau stehen. Und der Verkehr wird zunehmen.»
Es ist billig, gegen die S-Bahn Stimmung zu machen, ohne selber Alternativen aufzuzeigen. Es ist billig, gegen die Busbevorzugung zu wettern, weil man im Stau steht. Politiker aller Couleurs verlangen seit Jahrzehnten ein umfassendes Gesamtverkehrskonzept – das ist gut. Wenn sie sich aber nicht über die Grundsätze einigen können, wird es schwer sein, eine mehrheitsfähige Lösung zu präsentieren. Die wichtigste Erkenntnis müsste sein, dass man die Verkehrsprobleme nur grenzüberschreitend, gemeinsam mit St. Gallen und Vorarlberg lösen kann. Wer sich zu einer vermehrten regionalen Zusammenarbeit bekennt, der muss auch Ja sagen zum Agglomerationsprogramm und den darin enthaltenen Massnahmen. Gefordert ist nicht ein kleinliches Hickhack, sondern der Mut zu grenzüberschreitenden innovativen Lösungen.

Paul Vogt,
Palduinstrasse 74, Balzers

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