Volksblatt Werbung
Volksblatt Werbung
Leserbrief

Papi pifax

Amon Marxer,Eschen | 5. August 2017

Vaterschaftsurlaub

Einem kürzlich im «Vaterland» erschienenen Artikel nach zu urteilen, wird nun auch bei uns im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf über das Thema Vaterschaftsurlaub diskutiert.
Ernsthaft? Könnten wir uns vielleicht mal mit Massnahmen befassen, die nachweislich was bringen, bevor wir uns wieder irgendwelchem Pipifax zuwenden? Da erinnert man sich fast ein wenig nostalgisch an die Zeiten des Staatsdefi­zits, als es galt, Prioritäten zu setzen und echte Lösungen zu finden. Offenbar ist es nun schon wieder Zeit, den gesunden Menschenverstand wegzupacken und die Spielsachen aus der Schublade zu holen.
Wer glaubt denn, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von 4 Wochen Vaterschaftsurlaub abhängt, wenn die Betreuung eines Kindes einen Zeitraum von 16 Jahren oder mehr in Anspruch nimmt? Zuerst müsste ein Vaterschaftsurlaub, um dem Ziel einer verbesserten Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu dienen, dazu beitragen, dass die Frau früher wieder berufstätig werden kann. Ich sehe nicht, wie 20 Tage Vaterschaftsurlaub hier einen nennenswerten Effekt erzielen können. Aber vielleicht täusche ich mich ja. So tief muss man aber wohl gar nicht in die Materie eindringen, denn der grösste Feind von Luxusprojekten ist oft die Primarschulmathematik:
Man frage sich erstens, was ein Tag bezahlter Vaterschaftsurlaub inklusive Sozialabgaben im Durchschnitt kostet. Zweitens ermittle man die Kosten eines Tages ausserhäuslicher Kinderbetreuung durch eine Tagesmutter oder in einer Kita pro Kind. Schon Primarschüler können die Differenz bilden. Die mathematisch besonders Ambitionierten dürfen dann noch ausrechnen, wie viele Tage ausserhäusliche Kinderbetreuung sich durch einen Tag bezahlten Vaterschaftsurlaub finanzieren lies­sen. Aber auch ohne die Lösung dieser Bonusaufgabe und ganz unabhängig davon, ob Vaterschaftsurlaub überhaupt zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf beiträgt – was ich übrigens stark bezweifle –, ist die Antwort auf die Frage, wo ein investierter Franken mehr bringt, klar.
Gewisse Politiker am linken Rand des politischen Spektrums sind natürlich schon mit der Erkenntnis überfordert, dass finanzielle Mittel beschränkt sind und Abgaben wie Steuern nicht beliebig erhöht werden können. Vom Rest unserer Entscheidungsträger/-innen erwarte ich, dass sie versuchen, zwischen einem effizienten und einem ineffizienten Einsatz der beschränkten Mittel zu unterscheiden.
Wenn am Ende noch Geld übrig bleiben sollte, können wir uns ja Wellness-Projekten wie dem Vaterschaftsurlaub oder nordischen Häkelkursen widmen.


Amon Marxer,
Eschen

Teile diesen Leserbrief mit deinen Freunden

Leserbrief schreiben

Wie denken Sie darüber?
Titel
Text 0 / 2500 Zeichen
Weiter
Liechtensteiner Volksblatt AG
© 2017, Alle Rechte vorbehalten.