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Leserbrief

Rote Linie überschritten

Pepo Frick, SchaanEgon Matt, Mauren | 4. August 2017

Sexualität

Wieder einmal schlägt Jo Schädler in einem Leserbrief wie eine ausser Kontrolle geratene Abrissbirne alles kurz und klein, was ihm ideologisch in die Quere kommt. Diesmal stören die Homosexuellen sein seltsames Weltbild.
Schädler hat «Zweifel am menschlichen und gesellschaftlichen Nutzen gleichgeschlechtlicher Beziehungen» und fordert den Staat auf, sich zu fragen, «warum und zu welchem gesellschaftlichen Nutzen er solche Lebensformen auch noch fördert».
Im Schädlerschen Klartext: Wer schwul ist, bringt der Gesellschaft nichts, weil sie oder er biologisch nichts zum Fortbestand der Gesellschaft beiträgt. Schädler interessiert es nicht, dass auch homosexuell orientierte Menschen ihren Beitrag in der Gesellschaft leisten, sich im privaten Bereich, in Vereinen, in sozialen Einrichtungen oder für Religionsgemeinschaften engagieren. Gleichgeschlechtliche Beziehungen haben nach Schädler auch «menschlich keinen Nutzen». Liebe und gemeinsame Lebenserfüllung in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung: Für Schädler jenseits jedes Vorstellungsvermögens.
In unserem Staat darf per Verfassung niemand aufgrund seiner sexuellen Orientierung diskriminiert werden. Homosexuelle als «menschlich und gesellschaftlich» unnütz zu bezeichnen, überschreitet eine rote Linie. Diese Verunglimpfung ist eine perfide und schwere Form von Diskriminierung, die gerichtlich belangt gehört. Ausserdem ist es von unnütz oder einem «Graus», wie Jo Schädler es formuliert, nur ein kleiner Schritt zu abartig und einem Volksschädling. Vor noch nicht allzu langer Zeit begann mit ähnlichem Jargon eine braune Suppe zu köcheln, die schliesslich dazu führte, dass sich neben Juden und Kommunisten auch Roma und Homosexuelle im KZ wiederfanden.
Wer noch einen Funken Glauben an die Allgemeinen Menschenrechte und den staatlichen Schutz des Individuums vor Diskriminierung hat, darf diese Errungenschaften nicht den Abrissbirnen vom Schlage eines Jo Schädlers überlassen. Sonst wird der demokratische, liberale Rechtsstaat schnell in Trümmern liegen.

Pepo Frick, Schaan
Egon Matt, Mauren

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