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Leserbrief

Die KVG-Revision und ihre spürbaren Nebenwirkungen

Dr. med. Ecki Hermann,Regierungschefkandidatder Freien Liste | 29. November 2016

Wahlen 2017

Als Hausarzt musste ich in den letzten Jahren den enormen Abbau im Gesundheitswesen und im Sozialbereich miterleben. Die Sanierung des Staatshaushalts wurde gerade auch auf dem Buckel der sozial Schwächeren und dem Mittelstand durchgezogen. Ob man es hören will oder nicht, ja, es gibt in Liechtenstein sozial benachteiligte Menschen, und ja, es gibt Menschen, die finanziell nicht auf Rosen gebettet sind. Als Arzt sehe ich täglich solche Schicksale in meiner Praxis.
Dank dem neuen KVG (Krankenversicherungsgesetz, gültig ab 1.1.2017) wird es auch kurzfristig immer mehr Menschen geben, welche die Prämien für die Krankenkasse, die erhöhte Franchise und den deutlich angehobenen Selbstbehalt nicht mehr bezahlen können. Darunter sind verwitwete oder alleinstehende Seniorinnen, die als Hausfrauen und Mütter zu Hause waren, dem Ehemann den Rücken freigehalten haben, die Kinder grossgezogen haben und nur den Minimalbetrag (wenn überhaupt) in die AHV einzahlen konnten. Diese Frauen können sich mit der Minimal-Rente den Selbstbehalt und die Franchise kaum mehr leisten und werden zu Sozialhilfeempfängerinnen. Wenn man jetzt auch noch berücksichtigt, dass bei allen Hausfrauen, Senioren und Studenten, die über die Krankenkasse unfallversichert sind, der Selbstbehalt und die Franchise auch bei einem Unfall bezahlt werden muss (anders als bei der betrieblichen Unfallversicherung, dort gibt es keinen Selbstbehalt oder Franchise), dann sind sie doppelt bestraft.
Die Nebenwirkungen des hochgelobten KVGs werden zunehmend sicht- und spürbar, Wohlhabende und junge Gesunde profitieren, Arme und Kranke werden bestraft. Diese Fakten waren auch dem Landtag bekannt, trotzdem hat sich die grosse Mehrheit der Abgeordneten mit Ausnahme der Freien Liste für diese unsolidarische Revision ausgesprochen. Über diesen Sozialabbau müssen wir offen reden, ehrlich informieren und wieder gemeinsame Lösungen suchen und finden. Dies gilt auch im Bereich Familie und Beruf oder in der Bildungspolitik. Man muss aber auch die Wirtschaft in die Lösungsfindung miteinbeziehen. Wenn wir nur an einzelnen Schrauben drehen, ohne das Ganze zu sehen, kommen wir nicht zu gemeinsamen und vor allem solidarischen Lösungen.
Es langet – Wandel isch gfroget.

Dr. med. Ecki Hermann,
Regierungschefkandidat
der Freien Liste

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