Leserbrief

Braucht es einen separaten Friedhof für Muslime?

Pio Schurti,Feldstrasse 100, Triesen | 28. November 2016

Grabesruh

Heute Montagabend wird die Bürgergenossenschaft Vaduz in einer ausserordentlichen Genossenschaftsversammlung über einen Antrag der Vorsteherkonferenz befinden, eine Teilfläche einer Vaduzer Parzelle im Forst an der Feldkircherstrasse in Schaan (Waldstück vor der Hilti AG, wenn man in Richtung Unterland fährt) für die Errichtung einer muslimischen Begräbnisstätte abzutreten.
Die erste Frage, die sich stellt: Warum stellt die Vorsteherkonferenz überhaupt so einen Antrag? Die Vorsteherkonferenz ist meines Wissens kein «offizielles» Organ. Damit sei nicht gesagt, dass die Vorsteherkonferenz oder ein einzelner Vorsteher nicht wie jede Privatperson auch Anträge vorbringen darf. Im Schreiben der Vorsteherkonferenz an die Bürgergenossenschaft heisst es aber, dass die Gemeinden die Genossenschaftsversammlung ersuchen etc. Heisst dies, dass die Gemeinderäte aller Gemeinden diese Angelegenheit beraten haben und die Vorsteherkonferenz nur die Überbringerin des entsprechenden Antrags ist? In Liechtenstein ist es seit je so, dass die Gemeinden verpflichtet sind, allen Einwohnern unabhängig von ihrer religiösen oder weltanschaulichen Orientierung eine angemessene Bestattung zu gewährleisten. Das heisst, wenn wir sterben, werden wir auf dem gemeindeeigenen Friedhof beigesetzt. Urnenbeisetzungen und Bestattungen im Sarg sind gleichermassen möglich, wobei manche Gemeinden (entgegen der Empfehlung der katholischen Kirche) Urnenbeisetzungen – wohl mehrheitlich aus Platzgründen – bevorzugen. Nach 25 bzw. 20 Jahren endet die Grabesruhe. Das heisst, die Gräber werden aufgelöst und für andere Bestattungen bereit gemacht. Ich halte das für einen korrekten und angemessen pietätvollen Umgang mit unseren Verstorbenen. Den Wunsch der Islamischen Gemeinschaft in Liechtenstein, dass Muslime in «jungfräulicher Erde» bestattet werden und deshalb einen separaten Friedhof bekommen sollen, kann ich nicht unterstützen.
Religiöse und weltanschauliche Unterschiede zwischen den Menschen über das Grab hinaus zu zelebrieren, widerspricht einer wohl unverrückbaren Tatsache: Im Tod sind wir alle gleich.
Jede Gemeinde Liechtensteins hat einen Friedhof. Ein Gottes-, Allah- bzw. Jahwe-Acker für alle genügt.


Pio Schurti,
Feldstrasse 100, Triesen

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