Leserbrief

Erhöhen sie die Hochwasser- sicherheit?

Othmar Züger,Aeulegraben 32, Triesen | 25. November 2016

Rheinaufweitungen

Die bestehenden Rheindämme in Liechtenstein sind laut Amt für Bevölkerungsschutz sanierungsbedürftig, um einem statistisch einmal in 300 Jahren auftretenden Extremhochwasser standzuhalten. Untersuchungen ergaben, dass gewisse Abschnitte zu wenig dicht wären, während andere keine oder nur geringe Mängel zeigen. Die Sanierung dieser Rheindammabschnitte ist wohl unbestritten und sollte nun angegangen werden. Im Gleichzug zu diesen Hochwasserschutz-Massnahmen wird von Umweltkreisen angestrebt, sogenannte «Renaturierungen» des Rheinlaufs mit grossflächigen Flussaufweitungen zu realisieren, bei denen der heutige Rheindamm abgerissen und bis 150 m landeinwärts versetzt neu gebaut würde. Mit diesen Flussaufweitungen soll sich gleichzeitig auch die Hochwassersicherheit verbessern, wird von ihnen angeführt, da der Fluss im Bereich von Aufweitungen mehr Platz habe. Wie in jedem Flusssystem wird die Hochwassersicherheit jedoch durch die Beschaffenheit der engen Stellen im Flusslauf bestimmt, und nicht durch die breiten Stellen. Eine Rheinaufweitung würde also nur dann zu einer verbesserten Hochwassersicherheit führen, wenn sie genau in einen Abschnitt zu liegen kommt, in dem der heutige Rheindamm schwach ist und mit der Aufweitung ersetzt würde. Im Falle der favorisierten Aufweitung in der Eschener Au zwischen Schaan und Bendern fällt diese aber in einen Bereich, in dem der bestehende Rheindamm als sehr stabil eingestuft ist, also würden diese Aufweitungen effektiv keinen erhofften Beitrag zu einer verbesserten Hochwassersicherheit leisten.
Es mag wohl Visionen in Umweltkreisen geben, den Rheindamm durchgehend von Balzers bis Ruggell aufgeweitet zu sehen, dies würde den Hochwasserschutz sicher erhöhen, aber allein die Kosten dafür wären immens. Denkt man jedoch 150 Jahre zurück, war der damalige Bau des durchgehenden Rheindamms ein Kraftakt von solchen Dimensionen. Getrieben von grosser wirtschaftlicher Not und sogar Hunger nach Überflutungen ging man den Bau des Rheindamms mit aus heutiger Sicht einfachsten Mitteln an und vollendete ihn nach Jahren entbehrungsreicher Arbeit. Dies bedeutete grösste finanzielle Belastungen und konnte nur mit ausgedehnter Fronarbeit bewältigt werden. Ob sich wohl heute eine Mehrheit in einer Meinungsumfrage positiv für Rheinaufweitungen entlang der Grenze stellen würde, müsste sie wie damals dafür persönlich ausgedehnte Fronarbeit leisten, sei der Ansicht des Leser überlassen.

Othmar Züger,
Aeulegraben 32, Triesen

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