Leserbrief

Papst Franziskus werden Irrlehren vorgeworfen

Urs Kindle,Binzastrasse 51, Mauren | 28. September 2017

Glaube

Mehr als 60 Persönlichkeiten aus 20 Nationen – Priester, konservative katholische Theologen und Religionsvertreter – haben Papst Franziskus kürzlich in einem offenen Brief ketzerisches Verhalten vorgeworfen. Zu Recht. Der genannte Brief trägt den Titel «Kindliche Zurechtweisung [von Papst Franziskus] wegen der Verbreitung von Häresien [Irrlehren]». (Das Dokument findet sich auf www.katholisch-bleiben.de) Hierin heisst es wörtlich: «Die Unterzeichner bestehen respektvoll darauf, dass Papst Franziskus zugibt, dass er im Irrtum war (und) dass er diese [seine] Häresien [Irrlehren] verurteilt». Alle Achtung.
Auf der Webseite von Radio Vatikan, dem offiziellen Auslandsrundfunk des Papstes, wurde dies am 24. September 2017 bestätigt, Zitat: «Mit einer förmlichen Zurechtweisung wollen konservative Kritiker Papst Franziskus dazu bringen, sich von vermeintlichen Irrlehren zu distanzieren. Die Unterzeichner des am Sonntag im Internet veröffentlichten Schreibens vertreten die Ansicht, Franziskus habe direkte oder indirekt häretische Standpunkte zu Ehe, Moral und Sakramentenlehre gefördert. Insgesamt legen die Unterzeichner dem Papst exakt sieben Häresien [Irrlehren] zur Last.» (de.radiovaticana.va)
Eine Kleinigkeit? Nein. Ein Jahrtausendereignis. Der respektable Journalist Giuseppe Nardi schreibt treffend, diese Zurechtweisung habe «wie eine Bombe eingeschlagen und die katholische Welt aufgerüttelt».(www.katholisches.info, 25. September 2017) Auch gemäss Prof. Roberto de Mattei (Uni Rom) ist sie «weltweit von aussergewöhnlicher Wirkung». Denn jetzt hat die offiziell geäusserte, berechtigte Kritik an Papst Franziskus eine neue Dimension erreicht.
Zuletzt war es Papst Johannes XXII. gewesen, der eine Mahnung wegen Irrlehren (Häresien) erhalten hatte – und zwar im Jahr 1333. Also vor beinahe 700 Jahren. Es heisst, dieser habe seine Irrtümer später widerrufen. Und Papst Franziskus? Wird auch er widerrufen? Blick zurück: Auf die bedeutungsschweren schriftlichen kritischen Fragen («Dubia») der Kardinäle Burke, Caffarra. Brandmüller und Meisner (im Jahr 2016) hatte Papst Franziskus schockierenderweise nicht (!) geantwortet.
Die aktuelle schriftliche Zurechtweisung des Papstes lässt sich nicht kleinreden. Was tun die Medien also? Sie verdrehen. Indem sie – so wie immer – nicht Papst Franziskus die Schuld geben, sondern paradoxerweise der konservativen (= bewahrenden!) Kirche. Die grosse Spaltung der katholischen Kirche ist da – einfach noch nicht offiziell. Zeit, aufzuwachen.

Urs Kindle,
Binzastrasse 51, Mauren

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