Mittwoch - 15. April 2009 | 17:01
Bob Dylan in Basel - kaum zu hören und kaum zu sehen
BASEL - «Rockpoet» Bob Dylan ist mit 67 Jahren erfolgreicher denn je. Dezeit gegeistert er seine Fans weltweit mit seiner «Never Ending Tour». Dennoch hätten alle mehr davon, wenn er in kleineren Hallen spielen würde. Rund 6300 Fans verging in der tristen St. Jakobshalle Hören und Sehen.
Bob Dylan wurde nicht zuletzt aufgrund seiner Liedtexte der Star, der er ist; dennoch ist er kein Mann grosser Worte. Die Begrüssung aus dem Off klang, als werde ein Boxer angekündigt Der Meister selbst sprach lediglich am Ende des offiziellen Sets zu seinem Publikum: als er seine Band vorstellte. Der Rest des fast zweistündigen Abends gehörte ganz der Musik, Dylans riesigem Repertoire aus fünf Jahrzehnten. Doch leider war nicht nur bei der Vorstellung der Begleitmusiker (zwei Gitarristen, ein Kontra- und E-Bassist, ein Schlagzeuger sowie ein kombinierter Slide-, Tasten- und Geigenmann) der Sound eine Katastrophe. Die Musik drohte stets, im allgemeinen Gedröhne der grausamen Akustik zu ersaufen. War es nur Gewöhnung oder wurde es gegen Ende tatsächlich etwas besser?
Dylan, der den Platz hinter seiner Orgel nur für gelegentliche Mundharmonikasoli am Bühnenrand verliess, das Gitarrespiel aber zur Gänze der Band überantwortete, war durchweg besonders laut zu hören, während die übrigen Musiker in den Hintergrund gemischt wurden.
Dabei wäre angesichts der Intimität gerade der neueren Songs, die die Mehrheit des Programms ausmachten, ein klarer Sound durchaus wünschenswert gewesen ? und freilich angesichts dessen, dass aus der Ferne sämtliche Akteure auf der Bühne ohnehin zu einer ununterscheidbaren Armee von Herren in schwarzen Anzügen und Hüten wurden. Die St. Jakobshalle ist für derartige Konzerte definitiv nicht geeignet.
Die älteren Hits wurden ? typisch Dypan! ? vorwiegend zur Unkenntlichkeit verfremdet, wie z. B. die letzte Zugabe «Blowin? In the Wind», und in einem düsteren Rockgewand serviert. Dylans einstiges jugendliches Genäsel hat sich im Alter zu einem fiesen, scheppernden Schnarren gewandelt, das Dylan jedoch im Sinne seiner Musik zu nutzen versteht: Das Unbequeme der Songs kommt so tatsächlich besser zum Ausdruck. Dass Dylan es sich einfach macht und nur die alten Hits abnudelt, hat man ihm nie vorwerfen können. Der altgediente, im Original fast zu schöne Protestsong «Masters of War» wurde in der Neuinterpretation zu einem furchteinflössend kalten und dürren Blues in metallenem Science-Fiction-Gewand, während etwa das neuere «Spirit On the Water» echte Pop-Hit-Qualitäten erkennen liess.
Der sperrige Künstler hat noch einiges zu bieten. Schade um das an sich wirklich schöne Konzert.