Samstag - 19. August 2006 | 16:37
Aus alt mach neu
SCHAAN - Bald wird die Häuserzeile links vom Rathaus abgebrochen. Anna Hilti, Stefanie Thöny und Anja Zumbühl betreiben seit Freitag in der Landstrasse 17, im Salon Liz, eine dreissigtägige Modeproduktion namens «Satan takes a holiday».
Arno Oehri betonte als Vertreter des Vereins Schichtwechsel, der Schichtwechsel sei «wahnsinnig froh», drei aussergewöhnliche Künstlerinnen wie Anna Hilti, Stefanie Thöny und Anja Zumbühl zur künstlerischen Nutzung des Abbruchhauses gewonnen zu haben, «zumal in einem Land, das immer mehr von riesigen Banken und Treuhandbureaus besetzt wird: Ein bisschen Trash tut dem Land gut.» Anschliessend stellte Lorenz Wohlwend die Künstlerinnen kurz vor, die schon seit dem gemeinsamen Illustrationsstudium von Hilti und Zumbühl in Luzern zusammen Kunstprojekte mit Mode realisieren.
Brennende Schrift und DekontaminationDen eigentlichen Startschuss zur Ausstellung mit Produktion und Verkauf gab Andy Storchenegger mit einer Live-Typo, i. e. dem Abbrennen des Schriftzug «Satan takes a holiday». Die drei Queens of Evil in ihren weissen Schutzanzügen nebelten den am Boden liegenden Typographen und den Coiffeursalon erstmal ordentlich ein, bevor sie zu einer geräuschvollen Dekontaminationsperformance schritten. DJ Bête Bétonique mit ihrem Apple brachte die Vernissagegäste für den Rest der Nacht zum Tanzen.
Mutierte KleiderIn der Vorbereitungsphase hatten Hilti, Thöny und Zumbühl bereits eine Reihe Kleindungsstücke aus Altkleidern gefertigt, die von Models beiderlei Geschlechts präsentiert wurden. Die liebevoll gestalteten Einzelstücke gingen weg wie warme Weckle. Oberteile waren zu Röcken mutiert, eine Winterjacke hatte sich in ein Kleid, eine Hose und einen Pulli verwandet, und etliche Stücke waren mit feinen Zeichnungen von Hilti verziert, direkt oder auf einer zweiten, auf den Trägerstoff aufgenähten Schicht Stoff aufgebracht. Comic- und Cartoonfiguren tummeln sich auf engem Raum, bekrönte Totenköpfe, Klosterschülerinnen und gitzistreichelnde Heidis mit monströs leeren Augenhöhlen, dazwischen Parolen und mehr oder weniger sinnige Sinnsprüche in unterschiedlichsten Schriften. Aus einem alten Automaten in einer Ecke, bewacht von einem ausgestopften Murmeltier, kann man feingezeichnete Aufnäher für einen Franken ziehen.
Die Modeproduktion läuft bis 24. September. Zur Finissage gibt es eine schräge Modeschau.
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