Dienstag - 15. August 2006 | 17:52
«Alle sollen kommen»
SCHAAN - Der alte Salon Liz, im Abbruchhaus Landstrasse 17, neben dem Domus, wird vom 18. August bis 17. September zum Schauplatz einer unorthodoxen Ausstellung von Anna Hilti, Stefanie Thöny und Anita Zumbühl.
Gezeigt wird eine Modekollektion aus umgeschneiderten Altkleidern, die während der Ausstellungsdauer entsteht.
Seit einer ganzen Weile schon sammeln Anna Hilti, Stefanie Thöny und Anita Zumbühl alte Kleider und Textilien, von denen sie sich in ihrem Schneideratelier im oberen Stock der Landstrasse 17 spontan inspirieren lassen. «Die Ideen kommen schneller als man schauen kann», so Hilti. Bis zum letzten Ausstellungstag können noch Kleider gebracht werden. Materialspender erhalten Prozente beim Kauf neu umgeschneiderter Kleidungsstücke; allerdings gibt es keine Garantie, dass die alten Sachen noch passen. Aus Frauenkleidern entstehen Männerkleider oder umgekehrt, aus Grösse 36 wird Grösse 42, was innen war, ist plötzlich aussen, «hip» und «unhip» wechseln ihre Bedeutung. Aus einer besonders opulenten Winterjacke sind bereits eine Hose, ein Pulli und ein Kleid entstanden. «Und es ist immer noch nicht fertig», grinst Zumbühl. Doch nicht nur das Material selbst dient als Inspirationsquelle; die drei Textilkünstlerinnen wollen mit ihren Arbeiten auch einen Bezug zum Ort herstellen. Wie das genau aussieht, wollten sie noch nicht verraten.
Offene, lebendige AusstellungDie Modeproduktion hat schon begonnen, an der Vernissage am 18. August um 19 Uhr wird schon einiges zu bewundern und zu kaufen sein, doch das Gros der Kleider entsteht während der eigentlichen, dreissigtägigen Modeproduktion, die parallel zur Ausstellung stattfindet. Wer eigene Ideen hat, kann auch selber mit ins Atelier hochkommen und sich an eine Nähmaschine setzen. Hilti, Thöny und Zumbühl sind für alles offen. Wie schon bei Hiltis Rotterdamer Installation «Deep Trash On the Spot» dieses Frühjahr ist die Vernissage als Startschuss für eine lebendige Ausstellung gedacht, die sich während der Ausstellungsdauer fortlaufend verändert. Über den aktuellen Stand der Dinge kann man sich bei www.salonliz.twoday.net informieren.
Wein, Bier, Mode und MusikDie offene Gruppe um Hilti hat 2002 bei einer Ausstellung in Luzern angefangen, mit Mode Kunst zu machen. Es folgten ähnliche Projekte in Rotterdam und zuletzt im Schaaner TaKino anlässlich des Minifestivals «verschwende deine Jugend!» vor ziemlich genau einem Jahr. In Städten ist es üblich, dass sich junge Kunst in alte, leerstehende Häuser zurückzieht. In Liechtenstein bildet eine Ausstellung in einem Abbruchhaus eine Ausnahme. Hilti verbindet damit keine politische Aussage, sondern nennt pragmatische Gründe: In einem Abbruchhaus müsse man eben nicht so aufpassen, und billig sei es auch; «Satan takes a holiday» läuft unter dem virtuellen Dach des Vereins Schichtwechsel statt, der keine eigene Galerie mehr hat.
An der geselligen Vernissage mit Wein und Bier spielen die Frauenband Queens of Evil aus Luzern sowie die Fromherz-Kapelle. Andy Storchenegger bietet «Live-Typo», und zum Tanzen legt DJ Bête Bétonique auf. Eine Modeschau gibt es auch, allerdings erst zur Finissage im September. Warum eigentlich «Satan takes a holiday»? «Oje, die Frage haben wir befürchtet. Das ist einfach der Name der Kollektion».
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