Montag - 22. Januar 2007 | 21:10
«Jochkraft meiner Kieseliris»
TRIESENBERG - Als der Tessiner Komponist Ermano Maggini Evi Kliemands 1973 erschienene mit Gedichten und Holzschnitten «Kieselerde» von sah, entstand in ihm der Wunsch, die sechs Gedichte zu vertonen. Am Sonntag wurde der Liederzyklus von Peter Naef (Bassbariton) und Raffael Kuster (Klavier) uraufgeführt.
Die Liechtensteiner Lyrikerin und bildende Künstlerin Evi Kliemand verband seit Ende der Sechzigerjahre eine enge Freundschaft mit dem Tessiner Komponisten Ermano Maggini (1931-1991). Am Konzertnachmittag in Hieronymus Schädlers Musik- & Kunst-Werkstatt Zum Faun, zu dem die Fondazione Ermano Maggini Intragna, deren Präsidentin Kliemand ist, geladen hatte, waren ausser dem 1974/8 entstandenen Liederzyklus «Kieselerde» drei weitere Werke Magginis zu hören, zu denen Kliemand einen besonders engen Bezug hat: Das Klavierstück «Atem», entstanden 1976, widmete Maggini seiner Liechtensteiner Freundin; «Canto V» für Flöte solo komponierte er in Kliemands Haus in Triesenberg.
Der Entfremdung im Zeitbild entgegenwirkenNachdem Kliemand die Gäste willkommen geheissen hatte, las sie einige ihrer frühen Gedichte. Es sei ihr bewusst, dass man der gesprochenen und geschriebenen Sprache die Abstraktion weniger zumute als der bildenden Kunst. Nach dem Verstummen der Dichtung der Nachkriegszeit habe ihre Generation eine neue Sprache gesucht. Die Sprache ihrer frühen Gedichte habe zwischen Expression und raumbildender Abstraktion oszilliert, ihren Erfahrungsgrund habe sie bei aller späteren Entwicklung beibehalten. «Fast möchte ich dasselbe von der späten Musik Magginis sagen. Der Entfremdung im Zeitbild entgegenwirkend.»
«Er aber geht und deckt mit Binsen»Ehe Kliemand mit ihrer Lesung fortfuhr, um zur Uraufführung überzuleiten, spielte Hieronymus Schädler aus der Trilogie für Flöte die Sätze «Der bemalte Vogel» und «Ikarus». Seiner innigen Interpretation war anzuhören, dass er sich schon lange mit Magginis Musik befasst und dass sie ihm eine echte Herzensangelegenheit ist.
«Kieselerde» ist ein schlichtes Werk, das in der Summe seiner sechs Teile kaum länger dauert als die Lesung der entsprechenden Gedichte. Die Tonsprache, derer sich der Komponist bedient hatte, oktroyiert Kliemands Texten nichts auf, was nicht in diesen schon angelegt wäre: die gebrochenen Bilder von innerer Schau und äusserer Naturanschauung, die Wirklichkeit entstehen lassen statt sie nachzubilden. Dem Bassbariton Peter Naef und dem Pianisten Raffael Kuster sei an dieser Stelle ein hohes Lob für ihre sensible Interpretation des Werks ausgesprochen.